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Bizarres Wetter 8. März 2001
Am vorletzten Sonntag habe ich mein zweites Erdbeben erlebt. Das erste war das spektakuläre Beben im April 1992, das zwar im Rheinland stattfand, in Karslruhe aber noch an meiner Tür gerüttelt hatte.
Dieses war etwas näher dran, ca. 25km süd-südöstlich von Nice im Meer, 4.6m stark und nur wenige Sekunden kurz.
Das Gefühl war so in etwa, als hätte jemand heftig gegen das Sofa gedrückt, auf dem ich gerade lag. Naja, und die Scheiben haben geklirrt und draußen hat irgendwas gerummst.
Passiert ist natürlich nichts.
Bernhard meint, sein Institut würde jetzt bestimmt erstmal wieder eine Stange Geld für die Erdbebenforschung bekommen, sind ja auch bald Wahlen. Das ist natürlich einerseits gut, zeigt aber andererseits auch, daß Politik nicht viel mit Relevanz zu tun hat, sondern in erster Linie reaktiv funktioniert...
Ansonsten begrüßte man sich am Montag nicht mit "Bonjour!", sondern mit "Hast Du das Erdbeben bemerkt?", das ersetzte auch gleich das normalerweise anschließend zu fragende "Wie geht's?".
Offensichtlich haben viele Leute Angst um ihre Freunde, Bekannten und Angehörigen gehabt und erstmal die Telefonleitungen in der Region heißlaufen lassen... ein paar Stunden lang war in Nice kein Durchkommen.
Irgendwie ist das Wetter dieses Jahr echt abgefahren. Gerade schneit es draußen, mitten in Sophia!
Den Winter über war es ja schon extrem regnerisch, das hatte ich ja schon erwähnt, und jetzt liegt der Schnee bis fast runter nach Grasse, und es schneit wie blöde in den südlichen Alpen. Die best-beschneite Station soll angeblich zur Zeit Isola 2000 sein.
Der Schnee war zwar nicht von Dauer, aber schön war das trotzdem. Und selten.
Zu meinem Geburtstag hat sich die Côte d'Azur mal so richtig gehen lassen und in Sophia zwei Zentimeter Schnee fallen lassen. Ich bin zwar etwas spät aufgestanden (nächtliche Anrufe von Betrunkenen, ihr wißt schon...) und habe deswegen nur noch die Tauphase gesehen, aber ein wenig weiß ist es trotzdem noch, und das gefällt mir.
Danke, Wetter.
Zeitungsberichte, denen zufolge in Nice 70cm Schnee lägen, sind natürlich maßlos übertrieben. Vielleicht wurde da auf einem an Nice angrenzenden und evtl. noch zum Stadtgebiet gehörenden Berg gemessen, in der Stadt lag jedenfalls keinerlei Schnee.
Dafür war oberhalb von Toulon (->
Marseille) die absolute Hölle los. Die
Autobahn war zeitweise gesperrt, und die parallel
verlaufende Landstraße
RN7[*]
Autobahnen sind in Frankreich
ja zu bezahlen, also gibt es das sogenannte
'Réseaux secondaire', das
'zweite Netz'. Dieses besteht aus den
beliebten 'Routes Nationales'.
Der Unterschied zwischen den RN
und den Landstraßen in Deutschland besteht
darin, daß Landstraßen in Deutschland
eigentlich keine große Rolle spielen, man
kann ja immer die Autobahn nehmen.
In Frankreich hingegen sind die
RN sehr wichtig und entsprechend befahren. Der
Ausfall einer RN kann schonmal dramatische Folgen
haben, weil das Autobahnnetz lange nicht so dicht
ist wie in Deutschland.
wurde noch am Donnerstag Abend vom
Militär per Hand freigeschaufelt, weil die
Schneeräumer nicht durchkamen. Im Fernsehen
gab's Bilder von bis knapp unter's Dach
eingeschneiten Autos und so,
spektakulär...
Ansonsten waren wir hier wieder Zeugen eines sehr bizarren Streiks.
Diesmal waren es die Restauratoren (Ja, die Restauratoren, unterstützt von den Umzugsunternehmen), und diesmal handelte es sich quasi um einen Bummelstreik: Zwischen der italienischen Grenze und Cannes fuhren etwa 300 Autos der Restauratoren mit 0-10km/h auf der Autobahn hin und her, in kleinen Grüppchen natürlich, die man nicht überholen kann.
Hinter solchen Grüppchen sammeln sich große Trauben empörter und wild hupender Franzosen, was wahrscheinlich der Grund ist, warum die Restauratoren nicht zu oft anhalten. Wer bekommt schon gerne so richtig satt eine aufs Maul?!
Eine der Péages an der A8 war einen Tag lang blockiert, und während die PKWs noch über Monaco umgeleitet werden konnten, mußten etwa 900 LKWs an der Grenze warten und weitere 350 auf den verschiedenen Rastplätzen zwischen Ventimiglia und Nice.
Das Ziel des Streiks war die Senkung der Mehrwertsteuer von 19.6% auf 5.5% für die Restauratoren und Umzugsleute, und offenbar fordern sie das schon seit etwa fünf Jahren.
Tja, dann mal viel Glück!
Dank einer gewissen Verspätung meines Gehaltes kann ich mich im Moment nicht so oft umziehen, ich brauche erstmal wieder Geld für die Wäscherei... :-)
Aus unserer Wohnung aus- und irgendwo anders hin umziehen muß ich allerdings Ende des Monats trotzdem. Das könnte noch ganz interessant werden, weil
Ich hoffe natürlich, daß wo immer ich auch wohne genügend Platz für Besucher sein wird!
Grüßle,
Jan
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