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Jan Exner

13. April 2001

Berichte aus England - Limboflöhe

Limboflöhe 13. April 2001

Hallo!

Wie der kleine Limbofloh aufs Land kam

Der kleine Limbofloh lebte mit dem roten Limbofloh in der großen Stadt. Er ging jeden Morgen zur Arbeit und abends kam er wieder nach Hause. Manchmal spielte er dann noch eine Partie Würfel mit dem roten Limbofloh, oder sie gingen in die Wirtschaft, sich zu bezechen.

An den Wochenenden schlief der kleine Limbofloh immer ganz lange, weil er sehr gerne schlief.

So lebte der kleine Limbofloh also seit langer Zeit gemütlich und ruhig vor sich hin. Nur manchmal blickte er abends zum Himmel und fragte sich, wo denn die ganzen Sterne geblieben waren... Und manchmal wünschte er sich, er könne am Wochenende in seinen Garten gehen und sich dort ausruhen anstatt im Bett.

Die ganze 'der kleine Limbofloh'-Scheiße ging dann irgendwann recht schnell vorbei, weil Bernhard im Dezember FF1800 laschen durfte, um zweimal sein Auto bei den Bullen wieder abholen zu können.

Da ihm das auf den Sack ging und ich gerne wieder einen Garten gehabt hätte, kündigten wir frohen Mutes unsere Wohnung zum 1.4., sehr zum Bedauern unserer Vermieterin (die ich übrigens jedem nur empfehlen kann, für den Fall daß mal jemand von euch nach Nice ziehen möchte...).

3 Monate sind eine lange Zeit

Wenn man Anfang Januar 'am 1. April' denkt, dann ist das in etwa vergleichbar mit 'irgendwann', 'wenn ich mal pensioniert bin' oder 'am St. Nimmerleinstag'.

Letzterer tritt bekanntlich nie ein, ganz im Gegensatz zu einem Auszugstermin am 1.4., der ziemlich schnell ziemlich akut wird. Aber man ist ja Optimist, also kann gar nichts passieren.

Die Suche nach einer Wohnung verläuft eher zäh, bis Bernhard auf ein nicht ablehnbares Angebot stößt, eine Zwei-Zimmer-Wohnung auf vier Etagen in Le Bar sur Loup, einem von diesen kleinen engen Dörfchen auf einem dieser Hügelchen.

Für mich bedeutet das also, daß ich mir alleine eine Wohnung suchen werde, ich wälze also Webseiten und rufe 22 Maklerbüros an, leider ohne Erfolg.

Am 28.3. (Ich bin schon ein ganz kleines bißchen nervös) tut sich eine Wohnung in Biot auf, zwei Zimmer, groß, Kamin, Balkon, 200m neben einer angenehmen Kneipe, nur ein wenig teuer, FF3500. Ich scheine nicht der einzige zu sein, der die Wohnung mag, sie geht an einen Mitbewerber, der direkt mit einem Scheck aufgelaufen war. Naja, hat nicht sollen sein.

Am 31.3. ziehen wir aus unserer Wohnung in Nice aus, lassen die coole Bar mit dem Spiegel hinter uns und die Staus auf dem Voie Rapide, die uns jeden Morgen so erfreut hatten.

Ich ziehe zunächst zu Arnd und Carine und beschließe ein paar Tage später, die Pitou zu meiner neuen Bleibe zu wählen, zwar nur das kleinste Zimmer, aber immerhin mit 2ha Garten drumherum. Das Zimmer soll Ende der Woche frei werden, wenn nämlich Laura in das ehemalige Zimmer von Arnd umzieht.

Ich wohne also erstmal bei Arnd und Carine im Gästezimmer und harre dort der Dinge.

Lustige Hüpfer

Bernhard stellt unterdessen fest, daß seine Wohnung bereits von einer Familie bewohnt ist, besser gesagt von einer Großfamilie, vielleicht sogar von einem ganzen Stamm: Sie hat Flöhe!

Einige Stunden Aufenthalt haben seine Beine ziemlich zerbissen, und so zieht er erstmal zu Cristel, bis der Vermieter das Problem behoben hat.

Am Donnerstag gibt der Vermieter die Wohnung wieder frei und ein paar Tage später macht er sich wieder ans Werk, Sachen auspacken und so.

The Race

Zumindest denkt Bernhard das, denn leider begegnet ihm auf der Treppe ein ziemlich lebendiger Floh, die Wohnung ist doch noch nicht sauber.

Das Wettrennen ist also noch nicht entschieden!

Wer wird am Ende als erster in seiner neuen Bleibe wohnen? Wird es Bernhard sein, der Favorit, der in dieser Saison kein Glück mit seiner Maschine hatte? Oder wird der Außenseiter Jan das Rennen machen, der schon kurz vor dem Ziel in der Box wartet?

Die Spannung steigt ins Unermeßliche, während die beiden Kontrahenten gelassen reagieren und das Rennen eher von der sportlichen Seite betrachten.

Schalten wir jetzt direkt zu unserem Korrespondenten auf die Strecke:

Das ewige Thema...

Stellt euch vor, ihr geht früh ins Bett, steht morgens ganz früh auf, steigt bepackt in euer Auto und fahrt zwei oder drei Stunden in die Berge.

Am Ziel angekommen steigt ihr aus dem Auto und zieht euch um. Am Ende klemmt ihr euch euer Schneebrett oder die Ski unter den Arm und brecht auf, nur um dann vor verschlossenem Lift zu stehen.

Ärgerlich, hm?

Sowas kann schonmal passieren, wenn man zu früh aufgestanden ist. Lifte machen eben erst um 9 auf.

Und es kann auch passieren, wenn man in Frankreich ist, z.B. in Isola 2000, einem eigentlich respektablen Skigebiet, dort wurde neulich gestreikt.

Wer genau da in Isola gestreikt hatte, weiß ich leider nicht.

Es könnten die Kartenverkäufer gewesen sein, in dem Falle hätte man nicht mit dem Lift fahren können und das Liftpersonal hätte sich den ganzen Tag lang gelangweilt.

Oder vielleicht hat das Liftpersonal gestreikt. Das ist natürlich eine große Überraschung, wenn man gerade vom Kartenverkauf kommt und dann feststellen muß, daß man umsonst bezahlt hat.

In jedem Fall unangenehm, so ein Streik.

Man muß dazu sagen, daß sogar die Franzosen hier das nicht nett fanden, und die regen sich ja über den mittlerweile schon ewig dauernden Streik bei der SNCF z.B. schon gar nicht mehr auf.

Das letzte Skiwochenende war anscheinend nicht betroffen, zumindest hat niemand vom letzten Wochenende von Streiks berichtet, wohl aber von ganz annehmbaren Bedingungen.

11.4.2001, Das Rennen ist vorbei!

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich zum ersten Mal in meinem Zimmer geschlafen. Das Rennen ist vorbei, ich habe vollkommen unerwartet gewonnen.

Die erste spürbare echte Verbesserung gegenüber Nizza: Um 8 aufstehen anstatt um 7:25, um 8:30 losfahren anstatt um 7:50, um 8:45 im CICA sein anstatt um 8:30, das hat was.

Und es ist auch viel schöner, morgens durch seinen Garten zum Auto zu schlendern als durch eine vielbefahrene, laute Stadt voller Hundescheiße.

Ganz abgesehen davon fallen die durchschnittlich 10 Minuten am Abend weg, die ich früher jeden Tag dafür verwenden durfte, einen Parkplatz zu suchen.

Eine echte Verbesserung also, dieser Wohnortwechsel. Schön.

Bernhard hat währenddessen auch nach mehreren Versuchen die Flöhe zu erledigen immer noch einzelne Exemplare in der Wohnung und somit die Angelegenheit jetzt an die Profis abgegeben. Die werden aber natürlich erst nach Ostern aktiv werden.

Was zum Teufel ist ein Limbofloh?

Der Limbofloh entstand vor ein paar Tagen in einer Pizzeria in Valbonne.

Bernhards Mitbewohner sind ein oft angesprochenes Thema, und diesmal ging es um die Dressur von Flöhen. Nachdem das Stichwort 'Flohzirkus' gefallen war, kam dann Bernhard auf die Idee, Flöhen Limbo beizubringen, um mal etwas wirklich anspruchsvolles zu tun.

Ob ein Limbofloh aber nun ein Floh ist, der unter einer Stange hindurchkrabbeln kann, oder ob wir gelten lassen würden wenn er nur ganz flach springen würde, das ist noch offen.

In diesem Sinne allen frohe Ostern!
Jan

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