Ostern in Frankreich 14. April 1998
Eigentlich ist es ja noch viel zu früh für einen Bericht, aber das Wochende war so lang, daß ich mich vermutlich in Kürze nicht mehr an Einzelheiten erinnern kann. Also schreibe ich lieber sofort.
Am Freitag war hier irgendwie nichts besonderes los. Die Franzosen haben ja so viele Feiertage wegen der Kriege, daß sie woanders welche weglassen müssen, um nicht völlig aus den europaweit üblichen Zivilisations-Standards herauszufallen, und so mußte ich also am Freitag arbeiten. Daß das nicht normal ist, habe ich eigentlich nur daran bemerkt, daß niemand auf meine Mails reagieren wollte. Jakob war aber auch nicht besser dran, er hat erst nach dem dritten Reload der Süddeutschen Zeitung bemerkt, daß es einfach keine aktuellere Seite gab als die von Donnerstag. Nunja.
Wenn ich mich richtig erinnere, waren wir Freitag in Nice zum Saufen. Langsam wird das langweilig, auch wenn ich bisher noch an jedem Abend in mindestens einer neuen Lokalität gewesen bin. Ich muß gestehen, daß ich über den Freitag eigentlich nichts mehr weiß, daraus schließe ich jetzt mal frech, daß es wohl nicht so der Hammer war. Andererseits... ha! Ich war nicht weg. Wir haben ein größeres Essen bei uns in der Roselière veranstaltet. Ja, das war's!
Samstag haben wir die restlichen 30 Eier gefärbt und den Rest des Tages rumgehangen. War auch nötig. Abends sind wir in ein schönes Restaurant hier in Antibes gegangen, in dem man gute Entenflügelchen bekommt, und in dem die Kellner mehr Witze kennen als einem lieb ist und permanent Geschichten über reiche Iraner und Ölscheichs erzählen. Sehr nett da, und besonders wenn man bedenkt, daß dieses Lokal Jörgs Volleyball-Mannschaft sponsort.
Sonntag dann gab es ein ausgedehntes Osterfrühstück in unserem Garten, die obligatorische Eier-Suche, 3 Stunden Hockey und danach das traditionelle Eier-Verteilen in Nice, und das geht so:
Man nimmt die gefärbten Eier, fährt nach Nice, geht erstmal irgendwo schnell noch was essen und erklärt wahllos den Leuten, es sei ein alter deutscher Brauch, an Ostern Eier zu färben, und wer einen Witz erzähle, der könne ein Ei gewinnen. Komischerweise fahren die meisten darauf total ab. Der erste Interessent war ein völlig besoffener Amerikaner, der beim Fast-Food-Chinesen an der Wand lehnte und das Ei sogar bezahlen wollte, weil er keinen Witz wußte. Er ist dann später so nach 20 Minuten extra nochmal wiedergekommen, hat uns einen mittelmäßigen Witz erzählt und ist dann hochzufrieden mit Ei abgedampft. Direkt nach diesem vielversprechenden Auftakt standen wir vor dem Problem, mit einem Korb voller gefärbter Eier in die für den restlichen Abend vorgesehene Bar mit Live-Karaoke (sehr spaßig!) zu gelangen, vorbei an dem wahrscheinlich dusseligsten Türsteher der Welt. Bei dem Typen ist "dumm wie Brot" wirklich noch eine sehr freundliche Beschreibung, aber dafür wird er ja auch nicht bezahlt. Er hat jedenfalls nacheinander die total lustigen Witze "Ihr kommt nicht rein" und (nach einer langen Denkpause, in der ihm vermutlich aufgefallen ist, daß er gerade in die Negationsfalle getappt war) "Ihr kommt rein" angebracht, wir haben ihn perplex angeglotzt und ein Ei wollte er dann auch nicht haben. Drinnen ist dann wegen des enormen Andrangs die Verteilerei ganz gut gelaufen, und sogar ein paar brauchbare Witze kamen bei der Aktion heraus.
Leider macht der Live-Karaoke-Schuppen (übrigens als harmloser Pub getarnt) um 12 zu, sodaß wir die restlichen Eier auf der Straße an Passanten verteilen mußten, außerdem an
Dann sind wir ermattet und zufrieden nach Hause gefahren. Die Top-4 der Witze kann ich leider nur teilweise wiedergeben, weil einer nur zum Vormachen taugt (man erinnere mich an "Hände hinter dem Kopf zusammenklatschen"), einer zu versaut ist, und ich einen nicht mehr weiß. Bleibt also: "Was sagt die lesbische Vampirin beim Abschied zur anderen?" - "Na dann bis zum nächsten Monat". Verloren hat definitiv ein Mec mit Sonnenbrille und Freundin, der irgendwas von "Mutter und Tochter sitzen am Tisch... und rauchen" schwafelte und dann selbst einsah, daß das bestimmt kein Ei wert war.
Soviel zum Sonntag.
Montag habe ich im Prinzip nur geschlafen. Aufgrund einer Laune von Petrus ist es hier tagsüber in der Sonne angenehm warm bis heiß, aber sobald die Sonne einen Millimeter hinter einer der Wolken verschwunden ist, friert man sich sämtliche Krankheiten an den Hals, die einem so einfallen. Auf den Bergen, die ja schon seit Tagen die Kulisse effektvoll aufwerten, liegt seit Samstag der Schnee bis runter auf 300-500 Meter. Wenn man in Richtung Strand fährt, kann man über die Bucht nach Nice sehen, und dahinter stehen dann die coolsten Berge, die ich je gesehen habe. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen, aber das habe ich wohl schon mehrfach erwähnt. Jedenfalls war das Wochenende sehr windig und Jakob und ich haben es mit einem Spaziergang ums Cap abschließen wollen. Es gibt zwei mögliche Wege ums Cap, davon ist der längere etwas aufregender, aber bei den Windverhältnissen auch etwas nasser, also entschieden wir uns für den kurzen und standen dann später auf den Klippen (Blick auf Cannes, die Ile de wasweißich und ein paar Villen in den heftigsten Grundstücken, die man sich vorstellen kann. Wer noch nicht weiß, wofür er reich werden will, der sollte mal herkommen und sich das ansehen.) und provozierten Poseidon (Jakob) bzw. Neptun (ich). Weil Jakob das bösere Schimpfwort gewählt hatte, wurde er auch ordentlich benäßt, mein "Neptun, Du Spießer!" reichte nur für die Füße und bis zum Knie. Leider wird wohl im Sommer nicht mehr so schön der Wind pusten.
So um 8 kamen wir dann wieder nach Hause und fanden schon wieder ein größere Ansammlung von Gästen vor, die teils kochend, teils trinkend und sich lautstark unterhaltend die Küche und das Eßzimmer bevölkert hatten, weil jemand Cous Cous (hey, keine Ahnung wie man das schreibt) kochen wollte. Das hat auch hervorragend geklappt, und seit heute vormittag unsere neue Spülmaschine eingetroffen ist, ist eigentlich wieder alles ganz normal.
Zum Schluß noch eine Reiseinformation: Wegen Eigenbedarfs und Abwesenheit des Gastgebers kann ich im Juli leider keine Gäste empfangen, wer also vorbeikommen möchte, sollte das im Mai, Juni, August oder sonstwasfüreinem Monat tun, aber nicht im Juli. Vorher Ansagen wäre nett, ist aber nicht nötig. Wichtig ist hingegen für die Karlsruher, daß sie mir drei Dinge mitbringen: Zwei Paar Birkenstock-Imitate von Kaufhalle (DM12,95, Größe 46, blau und braun, im Erdgeschoss ganz hinten) und mein Telefon, das im Moment bei Lolker in der WG in Benutzung ist, aber bei uns im Garten sehr gut zu gebrauchen wäre.
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