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Jan Exner

22. April 1998

Berichte aus England - Carrefour

Carrefour 22. April 1998

Begrüßung!

Eigentlich ist nicht viel passiert, aber bevor ich's vergesse, muß ich doch mal kurz von Carrefour berichten:

Carrefour ist eigentlich ein Supermarkt. Bevor jetzt aber jemand an Edeka oder Kaisers oder Desuma denkt, sollte ich den Satz vielleicht lieber widerrufen. Also: Carrefour ist eigentlich kein Supermarkt. Man stelle sich ein mittelgroßes Möbelgeschäft vor, dann hat man in etwa die Dimensionen vor Augen. Ich würde mal schätzen, daß der Carrefour in Antibes etwa eineinhalb mal so groß ist wie ein durchschnittlicher wertkauf (Ja Ulf, der Wertkauf in Mainz ist kleiner, aber Mainz ist eben ein Dreckloch :-)). Das ist schon beeindruckend, und es freut mich deshalb immer wieder, wenn das Personal auf seinen Rollschuhen an mir vorbei fährt, und sich per Walkie-Talkie verständigt. <brüll>"Frau Schmidt... kannst Du mal eine Bongrolle bringen!"</brüll> wird man bei Carrefour nicht hören.

Carrefour hat eine Produktpalette, die wirklich keine Wünsche offen läßt. Neben dem üblichen Lebensmittel-Großeinkauf kann man dort auch gleich noch seine komplette Wohnung mit Elektrogeräten versorgen, von der Spülmaschine über den Fotoapparat bis zum Taschentelefon ist alles da. Die Spielzeugabteilung ist fast so groß wie die Geschirrabteilung, die Besteckabteilung fast so groß wie die Autozubehörabteilung.

Die "Rückseite" ist eigentlich die Wand zum Lager, aber dazwischen ist auch noch eine Bäckerei, damit die Franzosen alle 2h ihr frisches Baguette bekommen. Ein paar Industrie-Brot-Ofen schaffen den Andrang locker.

An der Fischtheke, die etwa so lang ist wie sämtliche Wursttheken der Supermärkte am Werderplatz zusammen, bekommt man erstens alles Fischsorten, die es gibt, zweitens eine Reihe von Krusten- und Schalentieren, und drittens (gestern entdeckt) lebende Krebse, und zwar ziemlich heftige. Arnd und ich waren uns einig, daß wir sowas nicht im Auto würden haben wollen. Die waren locker einen Meter lang und quicklebendig, da kann sich mancher Zoo eine Scheibe von abschneiden (ganz zu schweigen von den Dingen, die diese Viecher einem abschneiden könnten...).

Die Anordnung der Waren in den Regalen ist supereinfach: Teuer ist oben, für billige Dinge muß man sich bücken. Das ist Marketing :-) Natürlich kann man neben Einzelstücken auch immer gleich kistenweise einkaufen. Manchmal gibt es sogenannte "Promo"s, d.h. Sonderangebote, die durch große rote Flaggen gekennzeichnet werden. Sowas sieht man sofort, und daher weiß ich, daß es im Moment für FF11.00 Steine zu kaufen gibt. Schöne rote, hohle Steine, etwa 50x30cm. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten.

Carrefour hat an der "Vorderseite" eine lange Reihe von Kassen, ca. 70 an der Zahl, an denen man im Schnitt so etwa 5 Minuten wartet. Man kann ausnahmsweise sogar mit "internationalen Kreditkarten" bezahlen, allerdings nur mit Personalausweis. Es können auch 80 Kassen gewesen sein, ich werde nachher mal drauf achten. Der ganze Laden ist natürlich hervorragend klimatisiert, also der ideale Aufenthaltsort für richtig heiße Tage, falls es in unserem Haus mal warm werden sollte.

Wie gesagt, passiert ist in den letzten Tagen nicht viel, Jörg und ich haben beim Schrankenspiel verloren (Das Schrankenspiel bei Eurecom: Man fährt raus und muß dabei durch eine Schranke. Diese Schranke geht von allein auf, und nach jedem Wagen wieder zu. Nachts geht sie nicht von alleine auf, da muß man sein "Badge" (sprich: Baddsch) durchziehen, und weil das doof ist, versuchen wir immer, schnell noch zu zweit durchzufahren, bevor die Schranke runtergeht. Das klappt auch meist.), weil er dachte, er müsse direkt hinter der Schranke langsamer werden, und ich noch mit durch wollte und ihm voll hinten reingefahren bin, aber seine Stoßstange hat er erst zwei Kilometer später verloren, es war eh ein altes Auto und er konnte sie wieder festklemmen, meine Diplomarbeit rollt langsam an, die ersten Besucher für den Sommer haben sich angekündigt und es scheint auch langsam Sommer zu werden. Ok, Sonntag waren ein paar Leute noch mal schnell Skilaufen, aber das will nichts heißen, angeblich haben hier auch schon Leute nach dem Skilaufen ein Sonnenbad am Strand genommen. Der Strand wird langsam zum Zentrum des Soziallebens in Antibes, die Volleyball-Saison beginnt, Touristen überschwemmen die Straßen und zerren an den Nerven der Einheimischen, weil man plötzlich doppelt so lange braucht, wenn man irgendwo hinfahren will, aber die Lösung ist schon gefunden: Morgens vor neun pennen die noch, man muß also bloß früher aufstehen.

Das Samstags-Hockey-Spiel scheint sich etabliert zu haben, wer also herkommt, sollte Blades mitbringen. Wenn wir Glück haben, können wir sogar bei der diesjährigen Sportveranstaltung von Sophia (da treten die Leute aus den Firmen "im Vallée" gegeneinander in verschiedenen Disziplinen an.) mitmachen, wenn wir noch irgendwo eine andere Mannschaft auftreiben.

In den nächsten Tagen werde ich versuchen, bei einer Bank ein Konto zu eröffnen. Das soll hier sehr schwierig sein, weil das Wort "Service" in Frankreich wohl auch unter das Fremdwörter-Verbot fällt. Natürlich werde ich dann ausführlich berichten, das wird vermutlich sehr verwirrend...

Grüße aus der Sonne in die Sonne,
Jan

P.S.: Das "Fremdwörter-Verbot" ist übrigens entgegen aller Legenden nur sehr kurz in Kraft gewesen, der entsprechende Minister ist nicht mehr im Amt, da haben die Franzosen grade nochmal Glück gehabt. Natürlich macht es immer noch Spaß, Franzosen damit zu ärgern :-)

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