Alleine in der Nacht... 19. Juni 1998

Halli-hallo.

Ich komme gestern so nichtsahnend um 8 nach Hause, nachdem ich Jörg bei einem Restaurant irgendwo in Mougin (ein reizender Ort auf einer Bergspitze, malerisch und romantisch, mit Blick auf das Meer) abgesetzt und mit seinem eher eigenwilligen Auto nach Hause gefunden habe, ich komme also nach Hause, schließe die Tür auf und entdecke auf dem Boden ein Foto, welches unzweifelhaft aus meiner Sammlung stammt, denn es zeigt eine mir bekannte Szene aus Karlsruhe. Ich frage mich, warum wohl meine Fotos in solch eine Lage kommen können, hebe den Blick und erkenne im Wohnzimmer zunehmend mehr von meinen Fotos, ebenfalls auf dem Boden. Irgendetwas scheint merkwürdig zu sein, aber es ist zu dunkel im Haus, als daß ich da was erkennen könnte.

Ich stolpere also über einen Berg von Klamotten, erkenne aus dem Augenwinkel meinen Wäschekorb auf dem Wohnzimmerboden (und einen Stapel Wäsche davor, nein, keinen Stapel, eine eher flache, ungeordnete und offensichtlich zufällige Ansammlung), öffne den Fensterladen (der tagsüber, also wenn niemand im Haus ist, immer verschlossen ist, schließlich treiben gerade auf dem Cap d'Antibes häufig Einbrecher ihr Unwesen, Paranoia nennt man das) und staune über das Ausmaß der Verwüstung im Wohnzimmer. Langsam sickert die Erkenntnis durch, daß das nicht gut ist. Ich stake auf Zehenspitzen in mein Zimmer. In mein Zimmer? Nein, bis kurz davor, denn mein Zimmer ist leider nicht begehbar. Auch so kann ich aber gut erkennen, daß der Fensterladen geöffnet ist (Habe ich ihn etwa offenstehen lassen, ich Depp?) und so ziemlich alles auf dem Boden liegt (Mein Zimmer hat nur 6qm, sodaß neben dem Bett wirklich der komplette Boden bedeckt ist mit Sachen aus den Regalen), reichlich durcheinander. Scheiße.

Ich mache einen Rundgang durch das Haus und finde

Selbstverständlich ist Jakob gerade in Los Angeles, kann also nicht informiert werden, und nach dem 5ten unhöflichen Restaurant gebe ich auch die Suche nach Jörg auf und rufe die Polizei an.

Der folgende Dialog hat schon einen gewissen humoristischen Wert, geholfen hat er mir aber nicht:

So ganz befriedigt mich dieses Gespräch nicht, also rufe ich den ADAC an (Arnds Tip. Im Ausland ist der ADAC sowas wie eine alternative Botschaft der BRD. Das ist sehr praktisch, weil die nicht ganz so offiziell sind. Man kann wirklich wegen jedem Scheiß da anrufen, z.B. wenn man einen Zahnarzt braucht oder auch einfach nur so) und erfahre, daß die Polizei wohl gerade Feierabend habe und daher nicht motiviert sei. Ich frage, wie es jetzt weitergeht, die nette Frau empfiehlt mir, Fotos zu machen (40 Stück oder so, die mache ich teilweise mit auf die Webseite, falls sie gut geworden sind) und ansonsten nichts zu verändern oder anzufassen, falls doch noch eine Spurensicherung gemacht werde, das sei aber sehr unwahrscheinlich. Ob ich es über Nacht so aushalte? Nunja, ich erkläre der Frau kurz das Dilemma mit der Unbenutzbarkeit meines Zimmers und schlage dann vor, in einem weniger ramponierten Raum zu schlafen, was sie gutheißt.

Etwa drei Stunden lang sitze ich auf der Terasse, frage mich, was für Vollspacken das wohl gewesen sein mögen, trinke das eine oder andere Bier und spiele Minesweeper. Dann habe ich keine Lust mehr und fahre nach Nice, mich zu betrinken bis der Arzt kommt, was mir auch hervorragend gelingt. Dementsprechend bin ich jetzt unausgeschlafen, verkatert und stinke, und so höre ich jetzt auf und fahre zurück nach Hause in mein Chaos, das ich am Wochenende aufräumen darf. Ich brauche ein neues Zimmer.

Tja Kinners, das war's schon, macht's gut,
Jan

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