Wofür braucht man eine Gallenblase? 25. August 1998
Hinweis: Diese Webseite soll weder in Sachen Medizin beraten, noch soll irgendetwas verharmlost werden. Eine Operation ist immer ein kritischer Eingriff, auch wenn's gut läuft. Ich stelle hier in vereinfachter Form dar, wie es bei mir abgelaufen ist, mehr nicht.
Ich wünsche allen Lesern gute Gesundheit und viel Glück, und eine gute Besserung all denen, die es brauchen.
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Einige von Euch werden es schon wissen, einigen habe ich auch schon ein paar Details erzählt, aber so als Ganzes wirkt die Geschichte einfach besser, also fange ich einfach mal von vorne an mit der
Gerade gestern haben wir unser nettes Haus in Antibes wieder bezogen, das wir im Juli für drei Wochen für den Bruder der Vermieterin geräumt hatten (wie das so üblich ist bei dieser Art Mietverhältnis). Wir sitzen den Sonntag über faul herum, Jakobs Mutter ist zu Besuch, der Garten ist schattig (für die Süddeutschen: "ganz arg lauschig"), wir lümmeln herum, gehen nochmal an die Klippen zum Baden, vereinzelt herumdümpelnde Feuerquellen können uns nicht stören, alles ist ruhig und französisch. Nachmittags bringen Silvi und ich Saskia zum Flughafen, deren Ferien leider zuende sind. Am Abend gehen wir in ein gutes Restaurant namens "Tire Bouchon", in dem es ganz hervorragende elsässische Spezialitäten und ausgezeichnete Muscheln in Sahnesoße gibt, danach sitzen wir im Wohnzimmer, erwarten die Ankunft von Arne und Simone (die eigentlich Barbie heißt, aber das ist ihr peinlich), die mit einem gut ausgerüsteten Wagen die Strecke Paris-Nice an nur einem Tag erledigen wollen (und tatsächlich erledigen), rauchen ein wenig, trinken in Maßen, plaudern über dies und jenes und so gegen Mitternacht erscheinen die von 17 Stunden Fahrt völlig ausgebrannten Gäste und schlafen sogleich ein. Wir sitzen im Eßzimmer, löffeln noch den einen oder anderen Vanillejoghurt und sind guter Dinge, doch das Übel schickt in diesem ruhigen Moment seine Boten: Ich bekomme Bauchschmerzen. Das erinnert mich an den eigentlich an dieser Stelle fälligen
Ich liege im Bett und schlafe. Ein wenig Bauchweh läßt es mich ab und zu mit anderen Lagen probieren, geht jedoch nicht weg. Ich wache mehrfach davon auf, wälze mich und so weiter, es wird schlimmer. Am Ende kann ich nicht mehr liegen und laufe durchs Haus. Gegen 8 ruft Jörg bei meinem Anblick spontan einen Arzt an, weckt sofort Jakob und die beiden machen sich Sorgen, bis der Arzt schließlich um 11 erscheint, aber da ist alles schon wieder vorbei. Der Arzt diagnostiziert eine Kolik, will FF250 (ein Schnäppchen!) und verschwindet wieder. Ich bin einen Tag lang verunsichert und habe die Geschichte dann schnell wieder vergessen. In den folgenden Tagen esse ich weniger, habe öfter Bauchweh (nur ganz leicht und nur nach dem Essen) und nehme erstaunlich schnell ab. Definitiv ein Warnsignal, aber nachher ist man ja immer klüger.
Am Eßzimmertisch sitzend und eben noch locker Vanillejoghurt löffelnd ahne ich, daß die Nacht wieder so ähnlich werden wird, und ich beschließe, diesmal gleich zu Beginn ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn ich kann mich noch ganz gut an das Gefühl erinnern, das eigentlich nur mit "ich möchte sterben" umschrieben werden kann (ähnlich wie bei heftigen Brechanfällen, nur schlimmer).
Gegen halb 3 ist es soweit. Man kann knapp unter den Rippen auf der rechten Seite eine kleine Verhärtung spüren, etwa so groß wie ein Golfball, und meine erste Idee ist "Leber verhärtet, oha!", jedenfalls tut es tierisch weh, und ich lasse mich von Silvi und Jakob ins Krankenhaus fahren (ins Krankenhaus, Jakob, nicht ins Gymnasium, ja genau, dahin...), es regnet, irgendwie passend. Ich will eigentlich gar nicht ins Krankenhaus.
Am Hintereingang der "Clinique Chirurgicale d'Antibes" stehen wir im Regen und warten, daß jemand auf Jakobs stürmisches Klingeln antworten möge, und tatsächlich, nach etwa 5 Minuten erscheinen zwei Schwestern, öffnen und lassen uns rein. Sie führen mich (uns) in ein Krankenzimmer, ich lege mich auf das Bett, ein Tropf wird hereingefahren (Panik! Ein Tropf!), ich lehne ab und wir warten auf den Arzt. Der Arzt kommt dann nach etwa 15 Minuten, befühlt kurz die Bauchdecke und weiß dann: "Steine in der Gallenblase, das muß operiert werden, das machen wir gleich morgen oder übermorgen." Ich versuche noch ein wenig, der fälligen Verletzung durch Spritzen und Braunülen aus dem Weg zu gehen, Jakob diskutiert ein wenig mit dem Arzt, doch der ist gerade geweckt worden und daher nicht so wild auf dubiose Diskussionen und stellt mich vor die Wahl "mitmachen oder gehen", die ich wegen einer neuen Welle von Bauchweh dann für bleiben entscheide. (Die ganze Diskussion hier anzuführen, würde den Rahmen sprengen, es sei nur kurz erwähnt, daß Jakob sehr ruhig mit dem leider ziemlich agressiven Arzt redet und ich am Ende bleibe.) Ich werde also an den Tropf gehängt, "Calmants" (Schmerzmittel) und "autres Calmants" (andere Schmerzmittel) werden mir ins Blut gemischt, langsam tut es nicht mehr weh und ich schlafe ein, im Krankenhaus, zum ersten Mal in meinem Leben. Grusel.
Die am Morgen durchgeführte Ultraschalluntersuchung bringt zutage, daß der größte Stein etwa 1,5cm Durchmesser hat und die Gallenblase in jedem Fall entnommen werden muß. Mit Medikamenten, Zertrümmerung per Ultraschall oder sonstigen "sanften" Therapien ist das leider nicht mehr zu schaffen, aber der Arzt beruhigt mich, man werde natürlich laparoskopisch operieren, d.h. nur vier kleine Löcher in die Bauchdecke machen, durch die die Instrumente dann reingesteckt werden. Nunja. Ich überlege, wie man sich wohl in so einer Situation fühlen sollte, kann mir aber irgendwie nichts sinnvolles zusammenreimen. Wer hätte das gedacht, vor 14 Stunden noch quietschfidel beim Essen und jetzt kurz vor einer Operation. Die Welt ist doch immer wieder überraschend. Außerdem habe ich natürlich Schiß.
Den Rest des Tages liege ich im Bett, fühle mich nicht so toll und telefoniere erst meinem Vater hinterher ("Sind Gallensteine schlimm?" - "Ach, geht so" - "Soll ich das lieber in Hamburg machen lassen?" - "Kommst Du denn hierher?" - "Ja" - "Dann mach mal"), dann endlos wegen des Rücktransports und vegetiere so rum, während mir Silvi alles mögliche erzählt und auch dauernd einschläft.
Draußen vor meinem Fenster sehe ich ein typisch französisches Mehrfamilien- oder besser Hochhaus, und ich weiß jetzt auch, wo die Strahlen des Leuchtturms auftreffen (das hatte ich mich ja schon immer gefragt) und warum dieses Haus Metallfensterläden hat. Daneben steht eine schöne Palme, leider kann man das Meer nicht sehen, das dürfte hinter mir sein, macht aber auch sowieso nix, denn es regnet praktisch den ganzen Tag. Arne und Simone (die eigentlich Barbie heißt, aber das ist ihr peinlich) sind etwas ungehalten wegen des Wetters, Jakob kommt öfter vorbei und am Abend erscheint nach und nach etwa die Hälfte meiner Bekannten von Eurécom, was mich sehr freut und ein wenig rührt. Schneuz. So schlafe ich am Abend halbwegs zufrieden ein und wir kommen zu
Eigentlich passiert am zweiten Tag wirklich nichts. Ich weiß noch nicht, wann es denn nun losgehen mag, diverse Besucher erfreuen und unterhalten mich, Silvi verschiebt den Surf-Urlaub und will ihre Schwester alleine surfen lassen, Gabi weigert sich jedoch und kommt ebenfalls nach Antibes und ins Krankenhaus, ich kann ein wenig aufstehen und zerschmeiße zwei Fieberthermometer, die die Schwestern unter meinen Armen vergessen haben und (endlich) am Abend kommt die Nachricht, daß ich morgen um 12 abgeholt werde, mit einem Krankenwagen. Der Bauch scheint betäubt zu sein, jedenfalls tut mir nichts weh. Ich fühle mich eigentlich ganz wohl.
Der Wagen erscheint tatsächlich um 12, ich verabschiede mich von meinen treuen Besuchern, werde zum Flughafen gefahren, ein Pfleger kümmert sich um Paß- und Zollgeschichten (hey, das ist der perfekte Weg, was zu schmuggeln :-), wir fahren ans äußerste Ende des Feldes und da steht mein kleines Düsenfliegerchen und wartet auf mich. Drinnen liegt schon eine arme 18-Jährige aus Düsseldorf, die gerade aus Spanien kommt und an diversen Tropfs und Geräten hängt, sowie zwei Ärzte, die sich offenbar freuen, daß ich nicht so arbeitsintensiv bin und sogar lieber sitzen möchte. Nachdem ich seit Sonntag eigentlich nur gelegen habe, ist der Mittwoch eine echte Wohltat für mich und meinen Rücken. Der Flug geht zunächst nach Düsseldorf, wo wir das Mädel ausladen, und dann ohne Pause weiter nach Hamburg (und zwar wirklich ohne Pause. Wir haben bei den beiden Starts in Nice und Düsseldorf nicht eine Sekunde warten müssen, sehr angenehm), wo ich von zwei todmüden Zivis zum Krankenhaus in Bergedorf gefahren werde.
Mein Vater hat den Platz im Evangelischen Krankenhaus Bethesda besorgt, vielleicht deswegen werde ich bei meiner Ankunft um 5 sofort allen möglichen Untersuchungen unterzogen, Ultraschall, Röntgen, Bluttests, neue Braunüle, alles wird ratzfatz erledigt und die OP für den nächsten Morgen um 8 Uhr angesetzt. Nicht schlecht. Ich bekomme sogar ein Einzelzimmer, und dabei bin ich noch nichtmal privat versichert, kann man mal sehen.
Ich bin ein wenig nervös wegen der OP, andererseits habe ich in dem einen Monat als Zivi im OP des AK Bergedorf so viele OPs gesehen, daß ich mir ziemlich genau vorstellen kann, was da wohl passiert. Ok, also nicht nervös.
Von diesem Tag weiß ich nur noch, daß ich morgens eine "Scheißegalpille" bekomme, mit Mühe vom Bett auf den OP-Tisch rutsche, im Vorbereitungsraum von den Anästhesisten empfangen werde, der Chef-Anästhesist sagt "so, jetzt schlafen sie ein", eine Schwester ruft mir ein auffordernd fröhliches "Atmen!" zu, und ich brauche einige Minuten (oder Stunden), bis ich merke, daß ich schon im Aufwachraum bin und die Sache erledigt ist. Echt gut, so eine Narkose.
Zurück im Zimmer erklärt mir die Ärztin, daß sie neben der Gallenblase auch gleich den Blinddarm entfernt habe, weil er "in einer eitrigen Suppe schwamm", das sei aber kein Grund zur Beunruhigung, wohl eine Begleitappendicitis. Arnd freut sich später am Telefon mit mir, daß ich nun gefahrlos alleine die Sahara durchqueren, zum Südpol wandern oder hohe Berge besteigen könne und mir macht der Verlust meines Appendix ehrlich gesagt auch nicht viel aus. Eine OP weniger im Rest meines Lebens.
Ansonsten mache ich an diesem Tag außer Galle kotzen und schlafen nichts mehr.
Die OP-Narben tun weh, ich muß ab und an Kotzen (daß das so grün sein kann, hätte ich nie gedacht. Man stelle sich eine von hinten beleuchtete grüne Flasche vor, und dann die Farbe noch etwas kräftiger (Meiner ersten Besucherin an diesem Tag kotze ich direkt ein Schüsselchen Galle entgegen, als sie erscheint, arme Silja...)), kann nur auf dem Rücken liegen, meine Besucher schmeiße ich alle nach kurzer Zeit wieder raus, die aus der Gallenblase entnommenen Steine (von denen zwei in etwa so groß wie nicht geschälte Haselnüsse sind, eklig) können mich ebensowenig erfreuen wie der Plan meiner Schwester, sie in Kunstharz einzugießen, kurz: Der Tag ist sehr unerfreulich.
Ich habe erstmals das Bedürfnis aufzustehen, tue dies auch und verbringe den ganzen Samstag damit, in meinem Zimmer auf und ab zu laufen. Mein Vater sitzt ein paar Stunden daneben und sieht zu. Ich bin froh, daß ich ein Einzelzimmer habe und nicht meinen Mitkranken auf den Wecker gehen muß. Ich würde es nicht lange aushalten, wenn bei mir jemand mehrere Stunden lang im Kreis gehen wollte. Damit mir nicht schwindlig wird, gehe ich aber ab und zu auch mal eine Acht statt eines Kreises.
Die Ärzte äußern sich zufrieden über den Heilungsprozeß, Mittwoch oder Donnerstag werden als Entlassungstermine angepeilt. Meine Braunüle tut heftig weh und wird entfernt. Mein Vater vermutet, daß ich keine neue bekomme, wenn ich nur genug Flüssigkeit zu mir nehme, also trinke ich beim Gehen im Laufe des Tages insgesamt zwei Liter Mineralwasser (ohne Kohlensäure, bä!) und Tee. Später am Abend bestätigt sich die Vermutung, die Braunüle bin ich los, es geht aufwärts, sogar die Thrombosespritze tut an diesem Abend nicht weh.
Keine besonderen Vorkommnisse. Die Besucherzahlen häufen sich, ich gehe zum ersten Mal seit einer Woche nach draußen, laufe viel hin und her, trinke viel und darf sogar wieder was essen, allerdings noch keine Gurken und Tomaten, esse trotzdem ein Gurkenscheibchen. Nichts passiert. Gut. Am Abend habe ich Fieber, was mich nicht stört, aber leider noch ein unangenehmes Nachspiel haben wird.
Viel Besuch, viel Gelaufe, viel Getrinke, normale Mahlzeiten (normal, daß ich nicht lache: Frühstück um halb 8 geht ja noch, aber Mittag um halb 12, Kaffee um 2 und Abendessen um halb 6 sind für meine Verhältnisse entschieden zu früh). Langsam wird mir langweilig, mir tut zwar noch der Bauch weh, aber die Station kümmert sich kaum noch um mich, ein sicheres Zeichen, daß ich kein kritischer Fall mehr bin. Ich lese wie ein Bekloppter Comics, Romane, Krimis, alles was meine Mutter und Schwester mir so ankarren. Sitzen, Gehen und auf dem Rücken Liegen nerven mich mittlerweile gewaltig, sodaß ich ständig zwischen den drei Zuständen wechsle. Die Aussicht, noch den ganzen Dienstag in diesem Zimmer zu verbringen, macht mich auch nicht glücklicher. Die neuerliche Sonographie bringt keinerlei Komplikationen zutage, abends habe ich auch nur noch ein ganz klein wenig Fieber, morgens sowieso nicht.
Der Chefarzt ist wieder da. Ich werde um halb 8 von einer Armada von Ärzten und Schwestern überfallen, mein erster Gedanke ist "Scheiße, sie haben noch was entdeckt, eine unheilbare Krankheit", aber es ist bloß die normale Chefvisite. Der Chef (der sogenannte "Professor") ist mir auf Anhieb unsympathisch, und als er am Ende der Visite (lustloses Rumdrücken, darf ich mal die Kurve sehen, aha, Fieber, hmmm) dann noch "zum Wochenende sind sie ganz sicher raus" sagt, ist der Tag gelaufen. Ich rufe meine Mutter an und beklage mich, daß ich vorher an Langeweile sterben werde, frage dann meinen Vater, ob ich nicht was machen könne, er verspricht, mal mit dem Chef zu reden und ich laufe den ganzen Tag frustriert draußen rum und kaufe mir aus Trotz ein Eis. Blödes Fieber.
Am Morgen gehe ich zur Sono und werde währenddessen in ein anderes Zimmer verlegt, ohne Balkon und mit weniger Freiraum zum rumlaufen. Macht ja nichts, laufe ich eben weiter draußen rum, das Wetter ist eh für Hamburg verblüffend gut, und das seit Tagen, außerdem entdecke ich auf diese Weise die Terrasse der Station, auf der man abends hervorragend den Sonnenuntergang ansehen kann.
Die Station 8 nebenan wird eröffnet, es gibt Sekt. Viele Leute rennen auf den Fluren rum, die Schwestern und der Zivi auf meiner Station sind gestreßt, ich bin genervt und später am Nachmittag treffe ich den Chef auf dem Flur.
Chef: Ich habe mit ihrem Vater gesprochen, oder vielmehr: Ihr Vater hat mit mir gesprochen.
Ich: Aha... (Was klügeres fällt mir nicht ein)
Chef: Ich denke, sie können doch morgen raus, wenn das Fieber weg ist.
Ich: Cool!
Er grinst über beide Ohren, ich freue mich, der Tag ist gerettet.
Der Katastrophentag. Ich bekomme kein Frühstück, weil ich noch ein letztes Mal zur Sonographie soll, sitze also hungrig und mit meinem mittlerweile achten Buch in meinem Zimmer, weil draußen im Flur der alte Nazi von Zimmer 309 lauert, der mir schon erzählt hat, wie er den Pilotenschein im Krieg gemacht hat, daß sein Sohn bei MBB in Finkenwerder arbeitet, daß sein Herz manchmal aussetzt, daß die AOK nichts wert ist, daß Langhaarige Typen weg müssen etcpp.
Der Stationsarzt nimmt Blut ab und meint, wenn alles ok sei, könne ich mittags gehen. Das Fieber scheint ihn auch nicht so zu stören, außerdem ist es eh nur abends über 37 Grad, und es geht langsam zurück.
Um halb 12 erscheint statt des Mittagessens (geht ja eh nicht, muß ja noch zur Sono) eine verzweifelte Schwester und erklärt mir, der Arzt habe bei der Anmeldung zur Sono was verdaddelt, es könne noch ein wenig dauern, sie habe aber Druck gemacht. Zehn Minuten später teilt sie mir mit, vor 16 Uhr wäre da nichts zu machen, es tue ihr ungeheuer leid, ob ich eine Suppe haben möchte? Natürlich möchte ich eine Suppe haben, ich sterbe vor Hunger! Weitere zehn Minuten später werde ich zur Sono geschickt, als ich wiederkomme ist meine Mutter da. Ich bekomme endlich was zu essen und die Nachricht, daß die Oberärztin mich erst Freitag früh gehen lassen wolle und beschließe auf einen Tip der Schwester hin, "auf eigene Gefahr zu gehen". Die Schwester verspricht, alles in die Wege zu leiten, und holt die Ärztin, die nun plötzlich auch einverstanden ist, also gehe ich endlich nach Hause. Puh, was für ein Streß.
Nachträglich fallen einem ja immer die besten Sachen auf. In den Monaten nach der ersten Kolik bin ich mehrfach von Jakob oder Arnd darauf angesprochen worden, daß ich plötzlich meinen Teller nicht mehr leermache und solche Dinge. Jetzt weiß ich natürlich, daß das an der Kolik lag, es freut mich aber natürlich trotzdem. Leider habe ich schon im Krankenhaus bemerkt, wie es wieder aufwärts geht, seit Montag habe ich nämlich ganz fürchterlich Bock auf leckere Schokolade, Kirschohrringe und andere Schweinereien. Naja, muß ich mich dann wohl mit zurückhalten.
Es war schön, mal wieder ein paar Tage lang so richtig normale Hamburger zu hören, dieses Pseudosüddeutsch aus Antibes ist jetzt wieder so gut wie weg. Meine Eltern waren ganz entsetzt, als ich ihnen gestern mal ein paar "Hajo"s (Apropos: Karlsruhe, mittags, eine Baustelle mit dubioser Verkehrsführung, ich auf dem Fahrrad schneide ein wenig den Weg eines Benz mit gerade telefonierendem Fahrer.
Thema erledigt, eine ganz normale Süddeutsche Situation. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn ich auf Norddeutsch geantwortet hätte!) und "Weischd"s vorgemacht habe. Im Krankenhaus gibt es ja zum Glück keine gesellschaftliche Trennung, von "Ächwäs" über "Jo" bis "Aller" war alles dabei. Werde jetzt versuchen, in der Roselière mehr Norddeutsch zu etablieren, das klingt einfach besser. Jawohl.
Die Fotos vom Einbruch habe ich noch nicht gescannt, aber ich habe eh' beschlossen, Ende des Jahres, wenn ich mehr Zeit habe, alle Geschichten zu "illustrieren", zumindest die Versionen auf den Webseiten, also werde ich dann einfach eine Mail rumsenden, wenn es soweit ist, und hoffen, daß alle meine geneigten Leser in der Lage sind, die Seiten anzusehen.
Bin ja mal gespannt, ob ich dieses Jahr noch Besuch bekomme, oder ob der Sommer schon vorbei ist...
Vielen Dank an Alle, die mich besucht oder an mich gedacht haben, besonders an (in der Reihenfolge der Besuche) Silvi, Jakob, Arnd, Gabi, Arne & Simone (die eigentlich Barbie heißt, aber das ist ihr peinlich), Jamel, Sergio, Bepe & Marie-Louise, meine Eltern, Bepp, Silja, Mark & Katja und Konstanze, außerdem natürlich an die Station 7 des Ev. Krhs. Bethesda und alle am Heilungsprozeß beteiligten Ärzte und sonstigen Menschen.
Schöne Grüße, bleibt alle
gesund (!), bis zum nächsten Bericht,
Jan
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