Send to Kindle
Der Kampf ist vorbei 4. Juni 1999
Ich bin ganz aufgeregt! Gerade habe ich meine neue Carte Bleue abgeholt. Ja, ihr habt richtig gelesen, meine neue Carte Bleue!
Ich kann es noch gar nicht so richtig fassen, also erzähle ich schnell, wie es dazu kam, auch damit mir selber klar wird, daß es tatsächlich passiert ist. Nebenbei behalte ich meine neue Carte Bleue im Auge, lasse mich ab und zu mal kneifen und kann es immer wieder kaum fassen:
Es fing ja alles damit an, daß mir die BNP kein Konto geben wollte, weil ich diesen blöden Eintrag bei der Banque de France habe. Nach endlosen und zähen Verhandlungen, kurz nach dem folgenden und sehr beispielhaften Dialog
bin ich dann mal lieber gegangen, besser ist das.
Das Problem, wie Eurécom mir dann mein Geld zukommen lassen könnte, ließ sich leider nicht lösen, zu CA wollte ich nicht, auf ein Konto z.B. von Jakob wollte Eurécom nicht, eine Sackgasse. Erst die massive Intervention der Eurécom-Finanzfrau bei der BNP brachte dann die Wende, plötzlich ging das mit dem Konto bei der BNP doch. Auf einmal war alles ganz einfach, ich ließ eine Kopie meines Arbeitsvertrages da, der Bearbeiter war freundlich, ganz die Lösung, die ich mir gewünscht hatte. Sogar eine Karte wurde mir versprochen, eine sogenannte Visa Electron, das ist eine Karte, mit der man nur abheben kann, was auch wirklich da ist. Abgesehen davon, daß das für mich natürlich genau das richtige ist, frage ich mich ja, wie das wohl gehen soll?
Ich danke allen, die ein paar Sternschnuppen oder Schornsteinfeger für mich eingesetzt haben!
Ok, die FF6000 fehlen nach wie vor, aber in Kürze werde ich ja genügend Geld haben, um vielleicht mal mit einem Anwalt zur CA zu gehen. Wahrscheinlich wirkt das letztendlich doch besser. Der Kampf ist vorbei, ich bin nicht untergegangen.
An Himmelfahrt war ich zum ersten Mal wild campen, weil das Wetter so toll war und weil wir mal Richtung Marseille fahren und ein bißchen die Küste bestaunen wollten. Man braucht hier von Antibes aus nichtmal eine Stunde weit zu fahren, und schon fühlt man sich wie in den Sommerferien, das ist echt praktisch. Wir haben einen ganzen Tag lang am Strand gesessen, mit den ganzen anderen Touris, alle haben sich schön mit Sonnencreme eingeschmiert, bloß ich nicht, und ich bin dann natürlich auch prompt eingeschlafen und hatte nachher einen Sonnenbrand auf dem linken Ohr (pellte am übernächsten Tag, ich sah ein paar Stunden lang aus wie eine Schlange beim Häuten), der linken Gesichtshälfte, dem rechten Unterarm (mit Kante, da wo das Hemd aufhört, denn so schlau war ich gerade noch, mir ein Hemd anzuziehen, kurz bevor ich wegdöste) und den Waden (pellt jetzt gerade). Super Idee. Zum Zoo.
Naja, abends sind wir bei Cassis auf einen der höchsten Felsen am Mittelmeer raufgeklettert (französische Version: Einfach mit dem Auto hochfahren und dann dem Trampelpfad 5m weit folgen), haben da oben gepicknickt und wollten eigentlich auch da schlafen, 50cm von der Kante weg (grusel), aber um 3 wurde ich vom fettesten Regentropfen der Welt geweckt, als sich dieser auf meiner Stirn niederlassen wollte, und so mußte der Sonnenaufgang leider ausfallen, bzw. wir sind ihm dann entgegengefahren. Macht ja nix, läuft ja nicht weg, das ist ja das Gute, wenn man auch da wohnt, wo man sonst nur Ferien macht.
Der Ausflug hat ganz nebenbei gezeigt, daß mein Auto doch nicht kaputt ist. Es hatte mir in letzter Zeit Sorgen gemacht und 13l auf 100km verbraucht, aber nachdem ich mal ein Wochenende lang ganz ruhig und langsam gefahren bin und dabei plötzlich nur noch unter 8l verbraucht habe, muß ich jetzt nach neuen Schuldigen suchen, der Motor ist es nicht. Der Hauptverdächtige ist natürlich mein Fahrstil, selbiger will aber ohne Anwalt nicht aussagen, das wird wohl auf einen Indizienbeweis hinauslaufen. Staatsanwalt Hummes hätte am liebsten gleich noch einen zweiten Angeklagten vor Gericht: Bernhard H, 26. "Die zwei", lies der Staatsanwalt kürzlich in einer Pressekonferenz verlauten, "sind die zwei größten Pistensäue an der gesamten Côte d'Azur". Für den nächsten Prozeßtag ist das Plädoyer der Verteidigung vorgesehen, von dem bisher noch keine Einzelheiten durchgesickert sind. Beobachter glauben, daß das Verteidiger-Duo einige Zeugen der Staatsanwalt im Kreuzverhör demontieren und so den ganzen Prozeß unglaubwürdig machen will. "Der Prozeß ist ein Hohn, hoher Benzinverbrauch ist meines Wissens nie strafbar gewesen", läßt sich einer der Verteidiger zitieren, und: "Die Zeugen sind doch ganz offensichtlich manipuliert. Haben sie die Zeugin V. gehört? Ganz offensichtlich hat der Staatsanwalt hier seine persönlichen Kontakte genutzt. Die Aussagen sind nicht einmal eindeutig. Vollkommen lächerlich." Wir sind gespannt, ob die Verteidiger auch nach dem Prozeß noch großzügig wegwerfende Handbewegungen machen werden, und geben wieder zurück ins Studio.
Ja und hier ist wieder unser "Ratgeber Frankreich", heute mit dem Thema "Straßenverkehr". Viele Deutsche fahren jedes Jahr wieder nach Frankreich. Wir möchten ihnen bereits im Vorfeld vermitteln, wie sie unbeschadet, sicher und entspannt ans Ziel kommen.
[Jingle, danach 3 Minuten 22 Sekunden ganz doll entspannte Musik, z.B. Supertramp oder sowas]
Hier neben mir sitzt jetzt Herr Kondui-Mall, guten Tag - Guten Tag - Herr Kondui-Mall, sie sind Experte für das Verhalten von Autofahrern in Frankreich untereinander, also für die Regeln und ungeschriebenen Verhaltensweisen der Franzosen bzgl. anderer Kraftfahrzeuge. - Genau. - Was haben sie denn heute für einen Tip für unsere Zuhörer? - Nun, der heutige Tip beschäftigt sich mit der Frage, wie (und ob) die Abbiegerspur in Frankreich benutzt werden sollte. - Sie sagten gerade "ob sie benutzt werden sollte", Herr Kondui-Mall, haha, wenn ich das mal so ganz naiv fragen darf: Die Franzosen haben doch Abbiegerspuren, oder? - Ja natürlich, Herr äh Exner, natürlich haben die französischen Fahrwege Abbiegerspuren an den geeigneten Stellen, nur die Benutzung gestaltet sich etwas anders als hierzulande... - nämlich... - Kurz gesagt: Möglichst spät. - Was das genau für sie bedeutet, meine verehrten Zuhörer, das besprechen wir nach dem nächsten Titel, Herr Kondui-Mall, sie haben den Titel ausgewählt, möchten sie ihn auch ansagen? - Aber gerne: Wir hören das Stück "Se devills in mei kahr" von den be-fifty-tuhs.
[Musik, kurz unterbrochen von einer Verkehrsmeldung, *piep* Geisterfahrer auf der A5 zwischen Darmstädter Kreuz und Langen/Mörfelden *piep*]
Haha, na das hätte ja zum Thema der letzten Woche besser gepaßt, diese Durchsage [Gelächter im Studio], aber zurück zur Abbiegerspur. Du sagtest, man solle sie möglichst spät benutzen, was heißt das? - Nun, im Prinzip ist der Franzose der Abbiegerspur nicht abgeneigt, er neigt jedoch dazu, sich erst im letzten Moment auf dieser einzuordnen. - Aha, Peter, was hat das denn für Folgen für die anderen Autofahrer? - Nun, Jan, das späte Einordnen kann im Extremfall natürlich zu einer Blockade der Geradeausspur durch den Abbieger führen, hier muß der Urlauber auf der Hut sein. - Augen auf im Straßenverkehr, wie man so schön sagt. - Salopp ausgedrückt, ja. - Vielen Dank, Peter. - Bitte sehr. - Das war Peter Kondui-Mall, heute zum Thema Abbiegerspur in Frankreich. Nächste Woche wird sich hier alles um den Kreisel drehen, schalten sie also wieder ein, gleich kommen wie immer noch der Reisewetterbericht und die Gästeecke, jetzt aber ersteinmal etwas Musik.
[Irgendein langweiliges Stück von Chris de Burg, im Hintergrund Gelächter, das Studio ist völlig außer sich]
Unser Reisewetterbericht kann mal wieder mit gutem Wetter glänzen, Sonne bis zum Abwinken, schön warm, das Wasser hat optimale Badetemperatur, und nur ganz selten zeigt sich eine Wolkendecke am Rand der Alpen. Meistens ist das Cap davon übrigens unberührt, was man unter anderen auch daran merken kann, daß die Autos der Strandgeher mal wieder bis zu unserem Haus rauf parken.
Mit unseren Gästen sind wir übrigens außerordentlich zufrieden. Ok, bisher hat noch niemand eine Badewanne mitgebracht, aber alle Besucher waren auf ihre Art eine echte Freude, und das mit der Wanne kriegen wir schon noch irgendwie hin, hoffe ich. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt!
Schnell nochmal zusammenfassen, damit ich es nicht vergesse: Am Freitag habe ich zum ersten Mal Geld von meinem nagelneuen Konto abgeholt, Donnerstag abend fand ich die Nachricht im Briefkasten, meine neue Carte Bleue sei fertig, und heute habe ich sie abgeholt. Sie fühlt sich gut an, so glatt... ich bin überwältigt. Daß ich das noch erleben durfte! Ich bin ja schon gespannt wie ein Flitzebogen, wie das wird, wenn ich zum ersten Mal damit Geld abhebe, tanke oder vielleicht sogar irgendwo bezahle. Mann!
In diesem Sinne,
Jan
Update:
Heute bin ich zu Carrefour gefahren und habe beschlossen, ins kalte Wasser zu springen. Ich habe also ein paar Fotos abgegeben und bin dann ein Dreiviertelstunde durch die Gänge gerollt, um Waren in meinem Wagen anzuhäufen. Vor der Kasse habe ich dann ein wenig gebibbert, aber es hat funktioniert! Auch die Fotos konnte ich problemlos abholen, ein Wunder. Sie funktioniert wirklich, meine Carte Bleue! Ich bin ganz gerührt...
Naja, und wer gerade einen Browser zur Hand hat, kann sich ja mal die Webseite zum Fest 1999 ansehen, da steht auch drauf, wer dieses Jahr so kommt. George Clinton am Sonntag ist bestimmt ausgewählt worden, damit es nicht wieder bis in die Puppen geht :-) Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, hoffe auf eine ausgewogene Mischung aus Regen und Hitze und finde die Bilder ganz cool. Wir sehen uns im Juli!
Grüße, bis dahin,
Jan
Hat der Bericht gefallen?
Der neueste: Liverpool
Der meistgelesene: Wofür braucht man eine Gallenblase?
Der lokale: Der Rest von Hamburg - Manchester, UK
Der 10-jährige: 10 Jahre Berichte!
Der schönste: Glockenunken
Send to Kindle