Ménage à trois avec la petite chatte 21. Juli 1999
Wie Ihr ja sicher alle wißt, wohne ich im Moment nicht zuhause. Der Vermieter ist von der Côte d'Azur wohl genauso begeistert wie wir, er kommt jedenfalls jedes Jahr mit seiner Familie für drei Wochen her, und das bedeutet, daß wir drei Wochen ausziehen und ihm die Roselière überlassen.
Normalerweise funktioniert das ganz gut, mal ganz abgesehen von der Schweinearbeit, die so ein Auszug macht (besonders wenn man dann auch gleich aufräumen und saubermachen muß, und ganz besonders, wenn man sonst nicht saubermacht). Wenn wir Anfang August wieder einziehen, funktionieren wahrscheinlich alle Glühbirnen, evtl. wird auch mal wieder ein Raum neu gestrichen, meistens glitzern die Fenster und es riecht gut, das ist zwei kleine Umzüge doch wert, oder?
Dieses Jahr hatte wir uns ja schon seit ein paar Monaten über unseren tollen Garten gefreut, vor allem weil der Gärtner schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr da war und wir deswegen einen wunderschönen Urwald haben. Der Vermieter sah das aber leider ganz anders, und nachdem er sich lautstark bei Jakob beschwert und uns für den Freitag zu sich zitiert hatte, hat er gleich mal die Hälfte der Vegetation umbringen lassen.
Wir waren wirklich erschüttert. Der Völkermord in unserem einst so schönen Garten hat außer einer Wiese fast nichts mehr an grüner Kraft übriggelassen, selbst der 40 Jahre alte Rosenbusch, der erstens der Roselière den Namen und zweitens uns im Frühjahr jede Menge Rosen gegeben hat, selbst er wurde umgeholzt und wird jetzt durch irgend ein mickriges Gewächs ersetzt werden, das ihm ganz sicher nicht das Wasser reichen kann.
Naja, der Vermieter hat uns dann etwa 10 Minuten lang erklärt, wie man einen elektrischen Rasenmäher bedient, während wir alle drei fassungslos den Rest des Gartens bedauert haben. Was für ein Grobian! Nur die große Palme, die gegen Abend die Sonne blockiert, sodaß man sich nicht mehr sonnen kann, die hat er natürlich stehen lassen. Tolle Wurst.
Die Aufräum- und Umzugsarbeiten waren jedenfalls so anstrengend, daß wir am Wochenende dann erstmal geschlafen haben, jedenfalls haben wir es versucht. Jakob ist zu Valerie nach Nice gezogen, und Bernhard und ich wohnen jetzt bei Cristina, einer Kollegin von mir von Eurécom, die es immerhin vier Tage mit uns ausgehalten hat, bevor sie dann nach Hause nach Portugal gefahren ist, Ferien machen und ihr Mopped holen.
Überrascht hat sie uns gleich am Anfang mit einer vierten Mitbewohnerin: Mika. Mika ist drei Monate alt, etwa 50cm groß und noch federleicht. Sie ist meistens still, außer nachts. Da will sie nämlich ganz viel Aufmerksamkeit haben, und am liebsten läuft sie schnurrend auf Gesichtern rum und probiert, einen per Milchtritt aus dem Bett zu schubsen. Bernhard und ich entwickeln beinahe täglich neue Varianten, das Gesicht beim Schlafen irgendwie zu verstecken, aber sie ist sehr hartnäckig. Die bisher beste Lösung ist, das Gesicht über die Bettkante hängen zu lassen, da fällt die Katze nämlich dann runter, wenn sie sich draufstellen will.
Bernhard schläft ja bis jetzt unter dem Fenster, aber nachdem Mika ihm jetzt in den letzten beiden Nächten jeweils einmal aus 1m Höhe voll ins Gesicht gesprungen ist, weil sie rein wollte, wird er sich wohl mal umdrehen müssen.
Wir hatten die Katze (die übrigens auf "Mika!" längst nicht so gut hört wie auf "Katze!") am vorletzten Wochenende mit zur Pitou genommen, aber das war wohl keine so gute Idee, sie ist nämlich erstmal abgehauen und war ein paar Stunden lang nicht auffindbar, kam dann aber plötzlich doch wieder. Die Pitou ist einfach zu groß für solche Geschichten. Naja, jetzt wissen wir's ja.
Im Großen und Ganzen ist das schon eine sehr nette Katze, oder um es mit den Worten meiner Schwester zu sagen: Ach, die ith ja tho thüth! Das "th" bitte englisch aussprechen, bzw. lithspeln.
Am Samstag haben Bernhard & ich "the Berts & the Bernhards" gespielt, wobei ich den Part von the Berts übernommen habe. Das geht so:
Ok, das war die "extended automoted version", normalerweise macht man "the Berts & the Bernhards" zu Fuß und irgendwo im Raum Frankfurt, aber die Idee ist dieselbe. Das Spiel ist nur dann komplett, wenn die Party ausfällt, nicht finden gilt nicht!
Sicherheitshalber kann man ja was zu essen und trinken mitnehmen, z.B. ein paar Bierchens, etwas Baguette oder vielleicht Butterbrote mit Salz, damit man in den Bergen nicht verhungern muß. Auch Winterklamotten sind nicht fehl am Platz, ebenso ein paar gute Karten, ein GPS-Empfänger und ein Satellitentelefon. Vorher volltanken, Status der ADAC-Mitgliedschaft checken, und schon kann's losgehen!
Von Freitag bis Sonntag ist in Karlsruhe mal wieder "das Fescht". Unter http://www.dasfest-karlsruhe.de/ findet man das Programm und ein paar nette Bilder (warum bin ich da nirgends drauf? Hä?), aber das habe ich wohl schonmal erwähnt. Macht ja nix. Eigentlich ist das Programm eh egal.
Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Auch beim Fest gibt es ein paar Spiele, die traditionsgemäß gespielt werden, obwohl es bei einigen davon besser wäre, sie nicht zu spielen.
Über andere spezielle Spiele ("Mit dem Hängeding fahren" oder "Rückwärts in den Busch fallen, in den noch kurz zuvor jemand reingep...") kann ich nicht so viel sagen, sie werden auch eher seltener gespielt, aber vielleicht wird es ja dieses Jahr mal wieder etwas ausgefallener werden. Ich wünsche mir ja, daß sich alle in diesem Sinne etwas Mühe geben, damit wir dieses Fescht auch später einmal in guter Erinnerung behalten werden.
Wir sehen uns am Hang,
Jan
Bonjour nochmal,
Obwohl (wie wir alle wissen) der Jahrtausendwechsel erst 2000/2001 stattfindet, wird "die erste Stelle in der Jahreszahl tickt weiter" bestimmt ein heftiges Fest werden, und man sollte rechtzeitig planen!
Wir haben uns vorgenommen, einfach mal unsere Position als Gastgeber schamlos auszunutzen und uns von euch einladen zu lassen. Wer eine tolle Idee hat, eine große Party plant oder sonst irgendwie zu einem gelungenen Jahreswechsel beitragen kann, möge das bitte mitteilen, z.B. per Mail, Brief, Telefon oder Trommel, mir egal.
Drittens habe ich total vergessen zu erzählen, daß mein Geld tatsächlich aufgetaucht ist! Ja, es wurde gefunden, zumindest so ähnlich. Niemand weiß genau, was wo schiefgelaufen ist, aber Cristina hat irgendwann vor einem Monat die Querverbindung zwischen zwei ganz ähnlich gelagerten Fällen hergestellt, nämlich meinem, und den mysteriösen FF6000, die Bepe im Oktober auf seinem Konto vorfand, und die ihm die damalige Sekretärin nur mit "ach, wird schon stimmen" erklärt hatte. Bepe hat also mein Geld! Wie es da hingekommen ist, wer im Endeffekt der oder die Schuldige ist, und wie ich es jetzt wiederbekomme, ist noch nicht klar, aber zumindest ist es nicht weg, und das ist doch schonmal eine super Sache.
Hauptverdächtiger ist die Banque de France, es könnte also auf dem Weg zwischen BNP und CA (mögen sie trotzdem pleite gehen) passiert sein, eigentlich schon heftig.
Die lange Geschichte des Helden ist also nun vorbei, der Rest ist Papierkram, und die Gerechtigkeit hat am Ende mehr oder weniger triumphiert, nur Bepe ist etwas betrübt, weil er eigentlich das Geld schon hätte behalten dürfen, irgendwelche Fristen sind da verstrichen. Naja...
Ok, ich will Euch mal nicht so lange von
der Arbeit abhalten, schönen Tag noch und nicht den
11.8. vergessen!
Jan
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