Sommer, Sonne, lustig sein 24. August 1999
Zum Fescht kann ich eigentlich nur zwei Dinge sagen. Erstens fand ich es dieses Jahr wirklich sehr gut. Das mag daran liegen, daß mir die Musik relativ egal war, man hat da ja schon Beschwerden gehört, das Programm werde immer belangloser, aber ich muß sagen, daß mich das nicht so stört, und wenn ich die Abende von 1998 und 1999 vergleiche, haben mir die von diesem Jahr eindeutig besser gefallen, weil es bei weitem nicht so voll war, und weil die Stimmung nicht so aggressiv war.
Zweitens möchte ich hier mal ganz offiziell alle Anwesenden loben. Niemand wollte dieses Jahr 'Hektik' spielen, und infolgedessen waren die Abende richtig nett. Freitag nacht waren wir am Ende noch bei einer Party in meiner ehemaligen WG, wo wir mit ein paar Bewohnern über die böse Hausverwaltung lamentiert haben und ansonsten wohl ziemlich aufgefallen sind (ein Trupp von 10 Betrunkenen, die laut in eine WG stürmen, 'ach, guck mal!', 'He! das ist ja noch mein Hochbett!' oder 'Die Küche sieht ja viel besser aus.' rufen und dabei Fotos machen, fällt eben auf, da kann man nichts machen.), Samstag war eher ruhiger (bis auf ein paar der anwesenden Frauen, die offensichtlich einen kollektiven Eisprung hatten und völlig durchgedreht waren), aber nichtsdestotrotz ewig lang, und Sonntag war ich zum zweiten Mal in meinem Leben in der Katakombe, wo ich mit meinen Badeschlappen unter den restlichen 40 Gästen in schwarz ein wenig deplaziert war.
Arnd und ich haben tatsächlich am Montagmorgen unser Flugzeug erwischt, und wir waren auch zu einer normalen Zeit bei Eurécom, aber zum Arbeiten waren wir dann doch etwas zu müde, ich zumindest war an dem Tag nicht sehr erfolgreich.
Dank meines externen Gedächtnisses kann ich sogar noch ungefähr sagen, wann ich was wo getan habe:
Ich war noch nie in meinem Leben so oft in der Kippe, aber es war gar nicht so schlimm, wie ich es in Erinnerung hatte. Als Tip für den Tag nach dem Suff kann ich noch anführen, daß man am besten mit Heineken wieder anfängt, weil man das so schön runterkippen kann. Jever ist für solche Späße einfach zu herb.
Zuerst ein Hinweis: Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Sambia und in andere Staaten entlang der Zentrallinie der Sonnenfinsternis vom 21.6.2001 ab, und die Finsternis 2002 ist eher mitten im Atlantik zu bestaunen, aber bis dahin ist ja noch Zeit, vielleicht ändert sich das ja noch. (Nein, nicht letzteres. Obwohl, wenn die Türkei 2m springen kann, vielleicht schafft Afrika dann ein paar 100km, schließlich ist das viel größer?)
Die Finsterniswoche habe ich ja in weiser Vorraussicht freigenommen, damit sie nicht in Streß ausartet.
Donnerstag abend haben Bernhard und ich uns auf die Reise begeben, zunächst nach Wiesbaden, um dort Bert abzuholen und ein paar Stündchen zu schlafen, dann weiter nach Hamburg, weil man ja am Freitag schön auf den Kiez gehen kann. Außerdem war am Samstag eine Party geplant, eine Diplomparty sogar, also durchaus einen Besuch wert.
Der durchschnittliche Osthamburger geht eher selten auf die Reeperbahn, für mich war der Freitag also mal wieder eine nette Tour mit neuen Läden. Vor der '3 Hufeisen Bar' habe ich zwar noch eine ehemalige Mitschülerin getroffen (Herzlichen Glückwunsch nachträglich, Petra. Ich mußte wirklich den anderen schnell hinterher, sonst hätten die mich glatt vergessen, voll wie sie waren.), aber im Pudel's war ich vorher ebenso noch nie wie in der Lounge oder im Lehmitz. Und während Pudel's noch richtig nett und die Lounge immerhin ganz passabel war, kann man vom Lehmitz wirklich nur sagen, daß da furchtbare Musik läuft, und daß da morgens um 7 trotz der infernalischen Lautstärke die Hälfte der Gäste auf der Theke pennt. Außerdem weiß ich jetzt, daß Jägermeister eklig schmeckt.
'To avoid hang-over, stay drunk.' hat sich am Samstag wieder mal sehr bewährt, und obwohl die Party eher müde war, haben wir uns sehr gut amüsiert. Dementsprechend fertig war ich am Sonntag, und das war nicht toll, weil ich mich mit meiner Großmutter in Lübeck verabredet hatte. Naja, was soll's, das Auto meiner Mutter war eh gerade verreckt, der ADAC hat nach nur knapp 2 Stunden festgestellt, daß die Batterie kaputt ist, ich weiß jetzt, daß man einen Golf alleine anschieben kann, und Montag konnte ich endlich mal ausschlafen.
Am Rande: Wenn bei einem Golf die Batterie schrott ist, geht manchmal völlig unmotiviert die Alarmanlage los. Keine Ahnung warum. Das ist mir natürlich in Lübeck in dem Moment passiert, als ich den Wagen gerade über eine kleine Kreuzung geschoben habe. Ein tolles Gefühl, vor allem wenn überall Gardinen zur Seite geschoben werden und man jeden Moment die Bullen erwartet und keine Wagenpapiere dabeihat.
Zur Sonnenfinsternis selber will ich gar nicht viel sagen, leider waren wir weder nach Ungarn (blauer Himmel vom Feinsten) gefahren, noch in Karlsruhe (Wolkenloch im richtigen Moment und auch noch zwei Minuten lang) geblieben, sondern auf eine ansonsten perfekte Wiese bei Schluttenbach gefahren. Die etwa 200 Leute mußten während der partiellen Phase zwei heftige Regengüsse aushalten und wurden dann mit einem winzigen Wolkenloch belohnt, das genau den Moment des 2. Kontakts sichtbar werden lies, danach war die Sonne aber schon wieder weg.
Bernhard sieht das ganze positiv, wir hätten sonst nie so schön auf das Farbenspiel in der Umgebung achten können oder darauf, wie schnell es dunkel und wieder hell wurde, und wir hatten wegen der Wolken alle Zeit der Welt, uns die "Morgendämmerung" im Rheintal anzusehen, aber ich fand es schon ein wenig frustrierend, zumal es nur 5 km entfernt gut zu sehen war. Naja, 2001/2002/2006 sind auch gute Gelegenheiten, und wie Arnd schon sagte, arbeiten wir uns langsam an die Sache heran. Nächstesmal sehen wir die Sonne, übernächstesmal hören wir, wie die Vögel reagieren, und überübernächstesmal sehen wir vielleicht sogar fliegende Schatten.
Trotz der Wolken war das Schauspiel sehr beeindruckend. Ich kann mir jetzt vorstellen, warum bei Sonnenfinsternissen die wildesten Weltuntergangsgerüchte kursieren.
Nach der Eclipse bin ich noch ein wenig durch Deutschland gefahren (Mittwoch abend, 19:00, 4 Stunden bis Frankfurt, das dürfte Rekord sein), krank geworden, fast beim Schwarzfahren erwischt worden (da fährt man einmal im Jahr S-Bahn, und prompt will der Automat das Geld nicht, ich sprinte ohne Karte zur Bahn weil ich nicht den ICE verpassen will, setze mich hin und ergebe mich in mein Schicksal, prompt kommen die Kontrolleure, und wenn nicht der Typ von gegenüber mir seine zweite Karte freundlicherweise mal schnell rübergeschnippt hätte, wäre ich glatt erwischt worden. Mann... Vielen Dank an meinen Wohltäter, möge Dir alles Glück dieser Welt widerfahren!) und am Sonntag abend wieder in Antibes angekommen, völlig fertig und todmüde. Nichtmal im Café du Port waren wir an dem Abend, und das will was heißen.
Am Samstag war Bernhard in Nice in seinem Lieblingsplattenladen, fragte auch nach einer Technoparty, und siehe da, just Samstag sollte eine stattfinden. Bernhard und ich wollten natürlich wieder "The Berts & The Bernhards" spielen, obwohl die Party diesmal wirklich ziemlich weit weg stattfinden sollte.
Die erste Hürde war natürlich (wie letztesmal auch schon) der Weg zur Party. Wenn man um halb 12 überlegt, ob man jetzt mal schnell eine oder vielleicht auch zwei Stunden fahren soll, nur um dann auf irgendeiner Wiese ein wenig Techno zu hören und evtl. noch nichtmal das zu tun, dann fällt die Entscheidung naturgemäß ziemlich schwer. In diesem Fall war zu der Zeit auch noch keine Wegbeschreibung zu hören, nur ein lapidares "Tout a l'heure, tout a l'heure." bzw. "Non, toujours pas, désolée". Naja, wir sind dann erstmal mit Julia und Lena zum Phare gegangen, um das Problem ein wenig zu verschieben, und weil wir das schon seit Wochen nicht mehr getan haben.
Nach 12 war dann endlich eine Beschreibung zu hören, und die klang wirklich nach "verdammt weit weg", aber losgefahren sind wir trotzdem.
Hinter Draguignan ging es steil in die Berge, wie schon beim letzten Versuch, die Sterne wurden immer zahlreicher und schöner und die Luft kälter und dünner. Naja, kälter halt. Die Wegbeschreibung war diesmal mit Nummern der zu fahrenden Straßen, also etwas einfacher, sodaß wir uns fast nicht verfahren haben, sondern um ca. 2 Uhr an der Abzweigung der K45 von der D49 links abbogen, gemeinsam mit ein paar anderen Autos, die wohl ebenfalls die Fete suchten. An dieser Stelle hatte wir schon das Gefühl, tief im hintersten Sibirien zu sein, denn der letzte Ort hatte gerade mal ein oder zwei Häuser, und ansonsten war da nur Wald.
Auf dem folgenden Waldweg (einer üblen Piste) fuhren wir etwa einen Kilometer in einer Schlange in die Dunkelheit, an einer Abzweigung vorbei und ein wenig einen Berg hoch, bis plötzlich vor uns eine Schlange von Rücklichtern auftauchte, und alle stehenblieben. 5 Minuten später ergab ein erster Rundumblick, daß wir mitten im Wald in einem fetten Stau standen, vor und hinter uns Autos, soweit das Auge reichte. Etwas später stellten wir fest, daß vor uns alle drehten, die gesamte Schlange wollte zurück, ein total geiles Chaos, mitten im Wald, am Ende der Welt, nachts um halb drei. Irre.
Die meisten anderen Autos sind dann in die Abzweigung eingebogen, aber auch da ging es nicht weiter, und 10 Minuten später kam auch von dort die Meldung, der Weg sei falsch, wir müßten zur Straße zurück und noch 7 km nach rechts fahren.
Ok, die 7 km nach rechts (und zur Sicherheit auch noch nach links, man weiß ja nie) haben wir schnell abgerissen, da war auch nix, außer einem Ort namens Verignan, der aus drei Häusern und ebensovielen Drembels bestand, aber eine Telefonzelle hatte, in der wir eben nochmal die Box angerufen haben, um zu sehen ob die Party abgeblasen sei, war sie aber nicht.
In der ganzen Gegend um die Einfahrt zur K45 rum waren bestimmt 50 Autos unterwegs, alle auf der Suche nach der gelobten Party. Der einsame Mensch an der Péage bei der Autobahnabfahrt Draguignan hat sich sicher ebenso gewundert wie die Bewohner der vier Häuser in der Umgebung der K45.
Am Ende sind wir dann so gegen 4 Uhr doch nochmal in die Abzweigung reingefahren, eine weitere Abzweigung entlang, einen Berg rauf und dann wieder ein Stück runter, bis zu einer Ansammlung parkender Autos, immer dem schwachen Klang irgendwelcher Bässe nach, die wir gehört zu haben glaubten. Und siehe da: Die Bässe waren eindeutig zu hören, ein Stück weiter noch, aber deutlich vernehmbar. Wir haben also geparkt, sind noch einen halben Kilometer den Weg runtergegangen, an Unmengen von Autos vorbei und im stockdunklen (gar nicht so einfach), und haben uns dabei gefragt, was für derbe Verstärker die Jungs da hingeschleppt haben müssen, denn es war schon da verdammt laut.
Eine grelle Lampe im Wald auf der rechten Seite beleuchtete den "Eingang", ein paar Bäume weiter war ein Zelt, und dahinter hingen an den Bäumen überall mit Neonfarben bemalte Tücher mit typischen Motiven (von indischen Gottheiten über Apfelmännchen bis zu kreisförmigen Schachbrettmustern) als Begrenzung der Tanzflächen, von denen es immerhin drei gab. Die haben tatsächlich mitten im Wald, am Ende der Welt, drei Tanzflächen gebastelt, drei DJ-Pulte und ein paar Ausruhzelte. Wahnsinn!
Naja, zu hören gab es ganz normalen, schnellen Techno auf der ersten, ganz normalen, sehr schnellen Techno auf der zweiten und nicht mehr ganz normalen, irrsinnig schnellen Techno auf der dritten Tanzfläche, alles in unglaublicher Lautstärke und unter einem beeindruckenden Sternenhimmel, was die meisten Besucher wohl nicht interessiert haben dürfte. Ich schätze mal, daß etwa ein Drittel der ca. 1000 Leute permanent gekifft haben, und im Zelt von 'Médécins du Monde' am Eingang hing ein Schild mit der Aufschrift "Testing XTC", was auch immer das heißen mag, wir haben nicht nachgefragt.
Die Leute waren nicht so cool, wie wir gedacht hatten, eher so normales Technopublikum, aber das macht ja nix, dafür war das ganze schon ziemlich abgefahren, so mitten im Wald. Gegen 7 Uhr waren wir schon wieder zuhause, und nächstesmal werden wir uns besser vorbereiten, also dicker anziehen und vorher schlafen, damit wir mal sehen, was passiert, wenn's plötzlich hell wird im Wald. Dann fahren wir auch mit Arnds Auto, weil diese Pisten wirklich abenteuerlich sein können.
Ja, es sah zwischenzeitlich nach Herbst aus, aber der Sommer ist wieder da. Es ist so unglaublich heiß hier, das geht auf keine Kuhhaut. Dank der großen Restrukturierung in unserem Garten müssen wir jeden Abend den neu gepflanzten Baum gießen, der nicht nur arbeitsintensiv ist, sondern auch noch häßlich und bei weitem kein Ersatz für den abgesägten Rosenbusch, schnüff... Nunja, diese Gießereien arten jedenfalls in letzter Zeit immer häufiger aus, meistens endet die Wasserschlacht sogar im Haus. Valerie liebt diese Wasserschlachten, und sie kann gar nicht oft genug erzählen, wie naß sie schon wieder sei. Wer noch Ideen hat, wie ich mich bei ihr dafür rächen kann, daß sie mich am Sonntag mit der Soaker geweckt hat, fühle sich frei, mir die mitzuteilen, ich berichte dann auch vom Ergebnis.
A+,
Jan
P.S.: Einen praktischen Tip habe ich noch für die Freunde des Flugverkehrs. Bei Lufthansa kann man spezielles Essen bestellen, je nach Vorlieben, was natürlich gut ist, aber... Ich kann nur jedem von koscherem Essen abraten, das ist nicht toll. Die anderen Möglichkeiten werden Arnd und ich im Laufe der Zeit noch testen, Tom schwört z.B. auf das vegetarische Essen, aber koscher ist echt ätzend, außer vielleicht man mag Reis mit Dosenmais und Rosinen. Ok, die Verpackung ist beeindruckend, all die Siegel vom Großrabbinat, und auch das kleine Gebetsfaltblatt fanden wir nett, konnten es aber nicht lesen.
P.P.S.: Die Mitbringselliste ist übrigens nach wie vor eine gute Vorbereitung auf Besuche bei uns. Ich sage das hier jetzt so direkt, weil wir wider Erwarten immer noch keine einzige Badewanne im Garten stehen haben und der Sommer ja nicht mehr soo lange dauert, nicht?
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