Ich habe von 1976 bis 1990 in Bergedorf gelebt, meine Eltern leben immer noch dort, man könnte also sagen, Bergedorf sei meine Heimatstadt. Gleichzeitig bin ich Hobbyastronom und daher natürlich froh über die Bergedorfer Sternwarte.
Vor einiger Zeit las ich 'First Light' von Richard Preston, ein Buch über die Arbeit von Astronomen am Hale Teleskop des Palomar Observatory. Mitten in diesem sehr schönen Buch findet sich ein Kapitel über den Optiker Bernhard Schmidt, den genialen Erfinder des Schmidt-Teleskopes. Obwohl er im Alter von 15 Jahren seinen rechten Arm verloren hatte, erlangte er Weltruhm wegen seiner Künste als Optiker.
Schmidt starb 1935 in Bergedorf, sein Grab ist auf dem Bergedorfer Friedhof, gleich neben der Sternwarte.
Im Oktober 2001 bin ich
endlich mal wieder in Hamburg, und weil das Wetter mitspielt, gehe ich
endlich mal wirklich auf die Suche nach Schmidts Grab.
An einem Samstag sollte man besser nicht probieren, Erkundigungen über Gräber anzustellen, und der Bergedorfer Friedhof ist so groß, daß man nicht einfach herumlaufen und suchen kann.
Ich probiere es zuerst beim Blumenladen, aber die beiden netten Damen wissen weder, wo das Grab ist, noch, wie ich das an einem Samstag herausfinden könnte. Ich beschließe, einfach auf dem Gelände der Sternwarte herumzulaufen und dort jemanden zu fragen, falls ich jemanden treffen sollte.
Auf dem Weg zur Sternwarte komme ich an einem Restaurant vorbei. Bernhard Schmidt war in seiner Zeit in Bergedorf ein ziemlich guter Trinker. Angeblich soll man ihn des öfteren singend oder krakeelend in der heutigen Fußgängerzone angetroffen haben, und natürlich auch in Bars und Restaurants... man kann ja mal fragen.
Der Besitzer des Restaurants ist leider zu jung. Auch von den Gästen
sieht niemand so aus, als könne er sich an einen betrunkenen Astronomen
aus der Vorkriegszeit erinnern, ich folge also wieder meinem
ursprünglichen Plan und fahre weiter zur Sternwarte.
Schon nach wenigen Minuten treffe ich auf einen
Mitarbeiter der Sternwarte, und zu meiner großen Freude weiß der auch
Bescheid!
Wir gehen an einigen Kuppeln vorbei, er zeigt mir kurz das Schmidtmuseum, einen kleinen Raum mit Bildern, Dokumenten und einigen anderen historischen Objekten, dann stehen wir am Zaun, der die Sternwarte vom Friedhof trennt, vor einer kleinen Tür.
Das Grab ist sehr einfach, nur ein paar rote Blumen blühen vor dem
Stein. Leider hat der freundliche Mensch keinen Schlüssel für die Tür,
ich verlasse also die Sternwarte und gehe wieder auf den Friedhof,
diesmal durch eine Pforte ganz am südwestlichen Ende.
Nach
vielleicht 50m sehe ich links die große Kuppel der Sternwarte hinter
den Büschen, es kann nicht mehr weit sein!
Das Grab ist von dieser Seite aus nicht über einen Weg zu erreichen. Ich bin froh, daß ich nicht einfach so gesucht habe, denn das hätte ich im Leben nicht gefunden. Schließlich steige ich einfach über ein wenig Hecke und stehe vor der Tür im Zaun, nur diesmal auf der 'richtigen' Seite.
Das Foto zeigt den Blick vom Grab zur Sternwarte.
Das Grab selber
ist eher schlicht, ein einfacher Stein mit Namen und Datum, ein paar
Blumen...
Bernhard Schmidt hat mit seiner Erfindung die Astronomie revolutioniert. Ein Großteil der Hobbyastronomen kauft heutzutage Teleskope, die auf seiner Erfindung basieren, die sogenannten SC- oder Schmidt-Cassegrain-Teleskope. Die kurze Bauform und die charakteristische Glasplatte vorne (die Schmidtplatte) fallen auf Sternguckertreffen überall sofort ins Auge. Besonders bei Astrofotografen sind die SCs sehr beliebt.
Wo ich ja nun in Frankreich lebe, wäre es naheliegend, als nächstes nach dem Grab von Cassegrain zu suchen, aber über Cassegrain scheint praktisch nichts bekannt zu sein, nicht einmal sein Vorname, daraus wird also leider nichts.
Vielleicht ziehe ich ja mal nach London, dann berichte ich von Newton,
oder nach Italien, dann wird es Galileo Galilei...
Die Fotos auf dieser Seite wurden mit einer Spotmatic 500 auf Kodak Royal 1000 aufgenommen, Objektiv war ein russisches MIR 20/3.5 (Bilder 1,2 und 4), ein Magnon 28/2.8 mit Soligor 0.42 Semi-Fish-Eye Adapter (Bild 3) und ein Super Takumar 50/1.8 (Bild 5). Digitalisiert wurden die Bilder mit einem Acer ScanWit 2720S Diascanner und VueScan 7.2.4.
© 2001-2010 Jan Exner