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"call Bill gate..."

Alaaf!

Köln kann auch witzisch sein

Ich bin in Darmstadt geboren, in Hamburg groß geworden und dann nach Karlsruhe gezogen. Ich bin viel auf Autobahnen und Schienen zwischen dem Norden und dem Südwesten unterwegs gewesen, sowie auf dem Meer an beiden Küsten. Den deutschen Westen habe ich zwar besucht, viel davon hängengeblieben ist aber leider nicht.

Ich erinnere mich, daß es in Wuppertal oft regnet, daß Velbert unter grauem Himmel liegt, und daß man sich in Köln mit dem Auto unter Garantie verfährt. Dann weiß ich noch, wo das Neandertal liegt, und daß die Mettwurst nicht im Raum Düsseldorf erfunden wurde. Übrigens regnet es auch in Mettmann oft. In Bochum gibt es gute Currywurst in ulkigen Kneipen.

Darüberhinaus kenne ich den Westen nur unter dem Namen "Ruhrpott" und aus den fürchterlichen Karnevalssendungen im ZDF, bin also ein kompletter Ignorant.

Doch dann bot germanwings.de urplötzlich günstige Flüge von Nice nach Köln an, und mein Bild sollte sich ändern. Gleich vorweg: Köln ist eine richtige Stadt!

Donnerstag kommen Max und ich bei unserem Gastgeber Markus an, natürlich im Regen, und machen erstmal einen gemütlichen Abend. Am Freitag bummeln wir ein wenig durch die Straßen, und Max (der aus Süddeutschland kommt) wundert sich, daß einige Leute bereits vor dem 11.11. in Verkleidung herumlaufen.

Wir setzen uns ab und an zu einer Pause hin und trinken das eine oder andere Bier aus dem Sektglas. Wir bummeln durch Geschäfte und machen Faxen.

Gegen Abend ziehen wir um in eine kleine Kellerdisco, in der hauptsächlich komische Musik läuft, die Atmosphäre jedoch ganz angenehm ist. Es gibt auch wieder Bier aus Sektgläsern zu trinken.

Nachdem es in unserer Kellerdisco etwas leer wird, ziehen wir weiter in eine andere Kellerdisco, diesmal in eine mit Techno und Bieren aus Sektgläsern. Hier verbringen wir erstaunlich viel Zeit, und zumindest ich bin sehr überrascht, beim Herausgehen einen Sonnenaufgang vorzufinden. Das ist mir hier in Südfrankreich in letzter Zeit eher selten passiert.

Den Samstag verbringen wir zunächst sehr ruhig, später sehen wir uns dann im Rahmen der "langen Nacht" noch ein paar Museen und Veranstaltungen an:

Wenn man mal eine Zeitlang nicht in Deutschland gewohnt hat, wird man auf einmal empfänglich für typisch deutsche Genüsse. Ich freue mich jetzt schon auf die Erbsensuppe beim Weihnachtsbaumkauf, oder auf Fleischsalat.

Am Sonntag sind wir wieder etwas ruhiger und bummeln mit meinen zwei Lieblingsbesuchern durch die Gegend. Ich glaube, wir trinken auch ein paar Bier aus Sektgläsern.

Montag ist jedoch der große Tag! Wir sind um 11:11 leider noch in der U-Bahn, bekommen also vom Anfang nichts mit, nur zehn Minuten später aber befinden wir uns inmitten lustiger, größtenteils verkleideter oder bemalter Kölner. Wir tummeln uns bis 18:00 in der Gegend um den "Alter Markt" (Die schreiben das echt so! "Zum Alter Markt") und trinken Bier aus Sektgläsern.

20021122-verkleidung
Verkleidet und ready to go!

Im Gegensatz zu dem, was man vom Fasching im Fernsehen sieht, ist es recht gemütlich in Köln am 11.11.! Man trinkt einfach so vor sich hin und ißt Würste, damit man länger trinken kann. Von 11:11 bis 14:00 ist die Innenstadt gerammelt voll, danach bleiben nur noch die erfahrenen Trinker übrig. Das sind allerdings naturgemäß auch nicht gerade wenige. Überall spielen Leute Musik, und ganz viele kennen die Texte und singen mit. Schon interessant.

Und weil man so früh voll ist, geht man auch früh schlafen und kann am nächsten Tag wieder ganz normal aufstehen und nach Hause fliegen.

Ein angenehmer Besuch war das, Köln ist mir in guter Erinnerung geblieben. Und herzlichen Glückwunsch an den Kölner, der am gleichen Wochenende den Lotto-Jackpot geknackt und 9,4 Millionen Euro gewonnen hat!

Die Rote Flut!

Wieder einmal hat einer dieser Regen uns eine schöne Schicht Sand aus der Sahara mitgebracht. Diesmal war es wohl etwas heftiger, der Pool ist zum Beispiel jetzt bräunlich und trüb. Das liegt auch daran, daß Regenwasser bei uns auf das Hausdach trifft, von dort auf das Dach des Anbaus fließt, und dann zwanglos in den Pool köppert. Wenn also Sand im Regen ist, dann landet der bei uns im Pool.

Der Erbauer und ehemalige Besitzer des Hauses hat seinen Erben eine Bude hinterlassen, die vermutlich an jeder Ecke irgendwie gegen eine oder mehrere Baubestimmungen verstößt. Hatten wir ja schon. Diesen Sommer habe ich allerdings erfahren, daß er Bauunternehmer war und hier alles selber gemacht hat (= von seiner Firma machen lassen)! Das wirft kein gutes Licht auf seine anderen Bauten, wenn ihr mich fragt...

Ich weiß jedenfalls noch nicht, wie ich den ganzen Sand wieder aus dem Pool herausbekommen soll, und das einzig Gute daran ist, daß es jetzt passiert ist, und daß die Badesaison auch bei uns erst wieder in ein paar Monaten eröffnet wird.

Student müßte man sein...

Nach fast zwei Monaten Arbeit als Professor und zwei Zwischenprüfungen ist es heute Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Zumindest fühle ich mich danach, und da ihr euch ja nicht wehren könnt, bilanziere ich jetzt, ob es euch paßt oder nicht. So.

Am Anfang bin ich von der Annahme ausgegangen, Studenten seien motiviert. Jetzt werden viele hier sagen, ich sei komisch, schließlich sei ich ja selber nie motiviert gewesen. Ja klar, aber ich bin ja auch nicht in die Vorlesungen gegangen! Insofern fand ich meine Annahme "anwesend, also motiviert" gar nicht soo fehlgeleitet.

Ich habe also am Anfang mit einem Laptop am Beamer Folien abgespult und dazu erzählt, immer schön nach den Regeln einer Schulung, also pro Folie ungefähr 2 Minuten, zwischen 3 und 7 Stichpunkte pro Folie, nicht ablesen, was man halt so macht. Die Folien hatte ich aus dem weltweiten Internet, sie waren von irgendeiner hilfreichen Seele extra für das von uns benutzte Buch erstellt worden und enthielten in erster Linie die Abbildungen aus dem Buch. Eigentlich sogar nur die.

Daß die Folienschieberei nicht gut ankam, habe ich nach 2 Vorlesungen gemerkt, also habe ich es nach der dritten sein lassen. Seitdem schreibe ich mir die Stichpunkte in ein Heftchen, trage frei vor und male dabei an die Tafel.

Von den 33 eingeschriebenen Teilnehmern haben 16 keine Anwesenheitspflicht (andere Uni, andere Sitten), sind also nie da. Im Schnitt kam ich auf etwa 15-20 Teilnehmer, und das war mir auch ganz recht so. Von denen wiederum waren etwa 6 gut dabei, d.h. sie fragten nach, hörten zu, und schrieben manchmal sogar mit.

Wird euch jetzt sicher nicht wundern, daß ich den Eindruck hatte, es liefe ganz gut.

Dann kam die erste Zwischenprüfung.

Ich habe ja in meinem Leben schon viele Prüfungen geschrieben, aber gestellt hatte ich bisher keine. Das Ergebnis meiner Bemühungen schien mir fast etwas simpel, zumindest aber mager. Mein Boß sah das ähnlich, und mich hat es auch nicht sonderlich gewundert, daß die Hälfte der Jungs nach weniger als der Hälfte der Zeit schon abgegeben hatten.

Doch dann kam der Abend und die Korrektur der Ergebnisse, und wenn ich ehrlich sein soll: Zu Anfang dachte ich, die wollten mich veräppeln. So viel Quatsch kann man gar nicht antworten! Ich habe dann Arnd gebeten, den Test zu machen, und der hat 10 Minuten gebraucht und 3 Fehler gemacht, also 17 Punkte von 20. Mein bester Schüler kam gerade mal auf 15.

Letztendlich habe ich lange mit meinem Boß diskutiert, und wir glauben, daß meine Jungs einfach faule Säcke sind und sich nicht vorbereitet haben. Also haben wir großzügig und pauschal 10% Aufschlag gegeben und hatten damit immerhin ein(!) A und nur 50% Fs. Traurig.

Die positive Seite dieses Disasters war, daß sich das Feld der Teilnehmer weiter polarisiert hat. Die Spitzengruppe um den Etappensieger wurde noch aufmerksamer, während die anderen ihre Teilnahme zurückschraubten und nichtmal anwesend waren, als es den Test korrigiert zurück gab. Ich war jetzt bei 12-15 Teilnehmern, davon vielleicht 8 mit Beteiligung.

So lief das also wieder drei Wochen, und letzte Woche wollten sie sogar Fragen aus dem Buch beantworten (bzw. beantwortet haben), um besser auf die zweite Zwischenprüfung vorbereitet zu sein. Das fand ich einerseits gut, weil es zeigte, daß sie dann letztendlich doch mal zuhause was getan hatten, und andererseits nicht so gut, weil ich einige der Fragen in der zweiten Zwischenprüfung stellen wollte.

Einer meiner beteiligteren Studenten hatte sogar in seinem Buch die Fragen schriftlich beantwortet, die Antworten also neben die Fragen gekritzelt. Eine Absprache mit meinem Boß ergab, daß ich die Prüfung nicht ändern sollte. Wer gut vorbereitet hatte, sollte ruhig belohnt werden. Fand' ich sinnvoll. (Obwohl ich es zu meinen Studienzeiten ja immer doof fand, daß die Anwesenheit in der Vorlesung den Anwesenden so viele Vorteile verschafft.)

Meine zweite Prüfung war schon etwas professioneller. Ein Fünftel waren Ankreuzfragen, der Rest aufgeteilt auf die zwei Kapitel, die wir in der Zeit zwischen den Prüfungen erledigt hatten. Für zwei der Fragen mußte man rechnen, einmal etwas malen, ansonsten erklären. Ich war zufrieden.

Szenenwechsel. 20. November, 17:30. Alle 33 Studenten sitzen da. Alle? Nein, es sind nur 32! "Der Spezialfall" fehlt. Wurde mir schon vorher gesagt, daß der fliegt, wenn er nochmal irgendwo fehlt, und bei der ersten Klausur war er auch schon nicht dagewesen. Ok, mir ja egal.

Ich teile also die Zettel aus, sage dann "Los! Und viel Glück!" und setze mich vorne hin, um ein wenig mit meinem Palm zu spielen.

17:38, leichte Unruhe. Ein Student faltet seine Zettel, steht auf und gibt ab. Verwunderung meinerseits, ansatzweise Applaus im Saal. Fängt ja gut an...

Bis 18:00 hatten 7 Leute abgegeben, ausnahmslos solche, die auch vorher nie dagewesen waren. Bis 18:30 waren es schon 17, davon auch ein paar von den 'guten'. Die erste halbwegs zufriedenstellende Klausur kam um 18:19. Die erste gute Klausur bekam ich um 18:44 zurück, natürlich vom letzten Etappensieger, und eine Minute später noch eine gute von einem derer, die sich beteiligen.

Ich habe noch nicht korrigiert, aber ich habe mir während der Klausur schon die zurückgegebenen Klausuren durchgeguckt. Meistens ging das recht schnell, weil nur eine Handvoll Fragen überhaupt beantwortet wurden. Unter den Antworten finden sich Perlen wie "call Bill gate at Bill_gate@microsoft.com maybe he could give you a answer to this problem?" als Antwort auf eine der Fragen, die wir die Woche davor beantwortet hatten. Fairerweise muß man sagen, daß der Antwortende da nicht anwesend war.

Was war passiert?

Erster Punkt: Wenn mir nicht jemand mit wirklich guten Argumenten kommt, mache ich den Kurs sicher nicht nochmal. Sowas ist einfach frustrierend.

Zweiter Punkt: Ich entschuldige mich hiermit bei den armen Schweinen, die meine Mathe-Klausuren während des Studiums korrigieren mußten, besonders die Analysis-Klausuren (in denen ich heldenhafte Punkte im einstelligen Bereich hatte, wenn ich mich richtig erinnere).

Dritter Punkt: Jim meint, ich solle das nicht persönlich nehmen. Er ist ja nun Lehrer und weiß, wovon er spricht. Allerdings wäre ich auch gar nicht auf die Idee gekommen.

Vierter Punkt: Es wird wohl auch diesmal wieder einen Korrekturfaktor oder eine Korrekturaddition geben, denn sonst dürften geschätzte 80% ein F haben, also durchfallen.

Fünfter Punkt: Was mache ich bloß für die Prüfung am Ende, also die, bei der es wirklich darauf ankommt?

Sechster Punkt: Sind meine Studenten alle doof? Oder faul? Oder mache ich irgend etwas falsch? Ich werde mich am Montag mit meinem Boß treffen und das erörtern. Außerdem werde ich ausprobieren, wie Arnd die zweite Prüfung meistert.

Ungewiss ist die Zukunft...

Klingt irgendwie dunkel, hm? Was ich damit sagen will ist folgendes: Ich bin jetzt schon fast ein Jahr lang ohne offiziellen Job, und so langsam nervt mich das. Also suche ich jetzt wieder stärker.

Leider hat sich ein vorherrschender Trend vom Frühjahr bisher nicht geändert: Es gibt in Sophia keine Jobs. Offiziellen Zahlen zufolge wurden 2002 in Sophia ungefähr 200 neue Stellen frei, dafür aber über 1000 gestrichen, macht knapp über 800 Stellen weniger als im letzten Jahr. Das merkt ein Informatiker deswegen besonders, weil es ja in Sophia viel Informatik gibt, und weil der Großteil der 1000 Stellen Informatiker waren. Tja...

Was macht man also, wenn man jung und dynamisch ist? Man sieht sich in der Region um, im Land, oder auch auf dem Kontinent. So kommt es, daß ich zur Zeit nicht weiß, von wo mein nächster Bericht kommen wird, oder der übernächste. Vielleicht deckt sich das ja zufällig mit dem Ende des Jahres, zu dem ich ja (wie schon erwähnt) sowieso aufhören wollte. Spannend ist es jedenfalls allemal!

(Hatte ich eigentlich noch gar nicht öffentlich erwähnt, aber schon einige Male privat irgendwo gesagt. Warum aufhören? Weil man das tun soll, wenn es am schönsten ist. Weil man nicht darauf warten soll, daß es sich totläuft. Und weil es immer schwieriger wird, neue und gleichzeitig noch interessante Dinge über Frankreich zu erzählen.)

So, und jetzt lasse ich Euch wieder in Ruhe und lese "Vom Glück, Franzose zu sein" von Wickert. Industriespionage, sozusagen...

Tschö,
Jan

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